RHEINLAND-PFALZ – Plötzliche Schließung bei C24 in Mainz wirft schwerwiegende Fragen zur Mitbestimmung auf
RHEINLAND-PFALZ – Plötzliche Schließung bei C24 in Mainz wirft schwerwiegende Fragen zur Mitbestimmung auf
Die überraschende Schließung des Mainzer Standorts der C24 Bank und die Berichte, wonach die rund 70 Beschäftigte ohne Vorwarnung vor verschlossenen Türen standen, sind ein alarmierender Vorgang. Zugleich steht im Raum, dass es zuvor Bestrebungen zur Gründung eines Betriebsrats gegeben habe. Dieser zeitliche Zusammenhang ist so gravierend, dass er vollständig aufgeklärt werden muss.
Nach ver.di vorliegenden Informationen haben die Beschäftigten bislang keine Kündigungen erhalten. Dennoch wurden sie mit der faktischen Schließung des Standorts vor vollendete Tatsachen gestellt. Die betroffenen Kolleginnen und Kollegen haben ihre Arbeitskraft weiter zur Verfügung gestellt. Für die kommende Woche sind nach Angaben aus dem Betrieb zudem Einzelgespräche mit Führungskräften angekündigt. Für viele Beschäftigte entsteht damit eine Situation massiver Unsicherheit und erheblichen Drucks.
„Wenn Beschäftigte einen Betriebsrat auf den Weg bringen wollen und kurz darauf vor verschlossenen Türen stehen, dann ist das kein normaler Vorgang, sondern politisch hoch brisant. Mitbestimmung ist kein Störfaktor, sondern ein elementares Recht. Wer Beschäftigte in einer solchen Situation im Unklaren lässt und sie von heute auf morgen vor vollendete Tatsachen stellt, verunsichert eine ganze Belegschaft und sendet ein fatales Signal weit über diesen Betrieb hinaus“, sagt Tanja Friedrich, zuständige Gewerkschaftssekretärin von ver.di.
ver.di erwartet vom Unternehmen vollständige Transparenz über die Hintergründe, den Ablauf und die Folgen der Schließung. Die Beschäftigten haben Anspruch auf Klarheit, einen respektvollen Umgang und die uneingeschränkte Achtung ihrer Mitbestimmungsrechte.
„Ich arbeite seit vielen Jahren in diesem Betrieb. Dass wir plötzlich vor verschlossenen Türen stehen und bis heute nicht wissen, wie es weitergeht, ist für viele von uns ein Schock. So darf man mit Beschäftigten nicht umgehen“, sagt eine langjährig Beschäftigte am Standort Mainz, die aus Sorge vor Nachteilen anonym bleiben möchte.
Der Fall steht zudem nicht im luftleeren Raum. Bereits 2022 machte ver.di in Leipzig arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit einer C24-Gesellschaft öffentlich. Damals ging es laut ver.di um Kündigungsschutzklagen von Beschäftigten. Hinzu kommen aktuelle aufsichtsrechtliche Probleme bei der C24 Bank. Das Handelsblatt berichtete im November 2025 über BaFin-Maßnahmen gegen das Institut wegen gravierender Mängel insbesondere in der Geldwäscheprävention sowie wegen einer nach Darstellung der Aufsicht nicht ordnungsgemäßen Geschäftsorganisation.
Zudem gab es über Check24 in der Vergangenheit bereits öffentliche Kritik an Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung. Das ist auch deshalb relevant, weil C24 die Online-Bank der Check24-Gruppe ist. Der stern berichtete 2019 über entsprechende Vorwürfe und zitierte aus dem Unternehmensumfeld die Aussage, man brauche keinen Betriebsrat. Das Unternehmen wies die Vorwürfe damals zurück.
Für ver.di ist klar, dass Beschäftigte den Versuch, ihre Interessen demokratisch im Betrieb zu organisieren, nicht mit Angst, Unsicherheit oder Druck bezahlen dürfen. Der Vorgang in Mainz muss restlos aufgeklärt werden. ver.di wird die betroffenen Kolleginnen und Kollegen weiter unterstützen und erwartet vom Unternehmen einen fairen und transparenten Umgang mit der Belegschaft.


















