Hausarztversorgung: Auf dem Land setzt fast jede zweite Praxis auf zusätzliche Fachkräfte
Rheinland-Pfalz. Immer mehr Hausarztpraxen lassen sich von besonders geschulten Mitarbeitern unterstützen. Das zeigen neue Zahlen der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, die am Mittwoch (28. Oktober) veröffentlicht wurden. Demnach setzen rund 38 Prozent der Hausarztpraxen im Land solche Fachkräfte ein. Auf dem Land sind es sogar 45 Prozent, in den Städten dagegen nur 23 Prozent.
Die Entwicklung ist schon länger zu beobachten: Während 2015 in Rheinland-Pfalz rund 390 Hausarztpraxen solche Mitarbeiter einsetzten, waren es 2024 bereits etwa 530. Und das, obwohl die Zahl der Hausarztpraxen insgesamt zurückgegangen ist. Besonders häufig arbeiten die zusätzlichen Fachkräfte in größeren Praxen mit mehreren Ärzten.
Was bedeutet das für Patienten?
Bei den Fachkräften handelt es sich meist um medizinische Fachangestellte, die eine zusätzliche Ausbildung absolviert haben. Sie können bestimmte Aufgaben übernehmen, für die sonst der Hausarzt selbst Zeit aufbringen müsste.
Dazu gehören beispielsweise die Betreuung chronisch kranker Menschen, bestimmte Untersuchungen, die Wundversorgung und Hausbesuche. Gerade ältere oder pflegebedürftige Patienten, denen der Weg in die Praxis schwerfällt, können davon profitieren.
Die medizinische Verantwortung bleibt beim Arzt. Diagnosen und wichtige Entscheidungen über die Behandlung werden weiterhin von ihm getroffen.
Auch in der Region werden neue Wege erprobt
Wie sich die Arbeit in Hausarztpraxen anders organisieren lässt, wurde bereits in Kirchen im Kreis Altenkirchen und in Hachenburg erprobt. Beide Standorte beteiligten sich an dem Modellprojekt „HÄPPI“ mit insgesamt sieben Hausarztpraxen.
Das Projekt ging über die in der AOK-Untersuchung erfassten Weiterbildungen hinaus. Getestet wurden unter anderem neue Formen der Zusammenarbeit und digitale Hilfsmittel. In einigen Praxen nahm beispielsweise eine künstliche Intelligenz Telefonanrufe entgegen und bearbeitete Terminanfragen.
Fünf der sieben beteiligten Praxen berichteten nach der Erprobung, dass sie mehr Patienten versorgen konnten als zuvor.
Eine Entlastung für Ärzte und Patienten?
Für Patienten kann die Entwicklung durchaus Vorteile bringen. Die zusätzlichen Fachkräfte können Hausärzte entlasten und beispielsweise Hausbesuche oder die Betreuung chronisch kranker Menschen übernehmen. Gerade auf dem Land kann das die Versorgung erleichtern, ohne dass die Fachkräfte den Hausarzt ersetzen.
Ob Patienten dadurch künftig schneller einen Termin bekommen und kürzere Wartezeiten haben, wird sich im Praxisalltag zeigen.
Quellen: AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, Wissenschaftliches Institut der AOK, Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz.
















