Als Hunderte Rinder durch Altenkirchen zogen: Die Geschichte des Simon-Juda-Marktes

Altenkirchen. Am Freitag, 30. Oktober, ist es wieder so weit: Ab 8 Uhr lädt der traditionelle Simon-Juda-Markt zum Bummeln und Einkaufen in die Altenkirchener Innenstadt ein. Was heute ein beliebter Markttag ist, hat eine lange Geschichte. Früher wurden hier nicht nur Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs gehandelt, sondern auch große Viehherden durch die Stadt getrieben.

Die Geschichte der Altenkirchener Märkte reicht bis ins Mittelalter zurück. Bereits 1314 erhielt Altenkirchen die Stadt- und Marktrechte. Der Simon-Juda-Markt gilt als ältester Markt der Stadt, der bis heute stattfindet. Seinen Namen verdankt er nach Angaben der Stadt vermutlich dem Apostel Simon Kananäus, dessen Gedenktag auf den 28. Oktober fällt.

Für die Menschen in der Region hatten die Märkte früher eine ganz andere Bedeutung als heute. Hier versorgten sie sich mit Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen, kauften und verkauften Vieh. Vor allem für die bäuerliche Bevölkerung waren die Markttage wichtige Ereignisse im Jahreslauf.

Als noch Hunderte Rinder durch Altenkirchen getrieben wurden

Der Handel war damals streng geregelt. Während die sogenannten Krammärkte auf dem Marktplatz stattfanden, mussten die Viehmärkte außerhalb der Stadtmauern abgehalten werden. Der heutige Marktplatz entstand ohnehin erst nach dem großen Stadtbrand von 1728.

Dass die Märkte nicht immer reibungslos stattfinden konnten, zeigt eine Begebenheit aus dem späten 18. Jahrhundert. Während der Revolutionskriege verboten die Franzosen wegen einer Viehseuche zeitweise den Altenkirchener Viehmarkt. Die Händler wichen daraufhin unter anderem zum Zollhaus in Eichelhardt und nach Oberwambach aus.

1853 bemühte sich der Altenkirchener Gemeinderat darum, den Viehmarkt wiederzubeleben. Als Standort stellte die Stadt die sogenannte „Leimkaul“ zur Verfügung, eine Lehmgrube an der Hachenburger Straße. Sieben Jahre später wollte der Rat auch Zuchtvieh aus dem Bergischen Land und dem Sauerland auf den Markt holen.

Welches Ausmaß der Viehhandel damals hatte, lässt sich an historischen Aufzeichnungen ablesen. Darin ist von Westerwälder Bauern die Rede, die ihre Rinder in Herden von Hunderten Tieren durch die Stadt trieben.

Vom Viehmarkt zum heutigen Markttreiben

Im Laufe der Jahrzehnte wandelte sich das Marktgeschehen. Der Viehhandel verschwand aus dem Bild der Innenstadt, und die Versorgung mit Waren des täglichen Bedarfs verlor ihre frühere Bedeutung. Der Simon-Juda-Markt aber blieb. Noch immer kommen am letzten Freitag im Oktober Händler und Besucher in Altenkirchen zusammen.

Heute verteilen sich die Marktstände über die Fußgängerzone, den Marktplatz und den Schlossplatz. Auch die Geschäfte und die Gastronomie in der Innenstadt beteiligen sich am Markttag.

In diesem Jahr gibt es zudem wieder französische Spezialitäten: Der Gourmetmarkt „Les Saveurs de France“ gastiert vom 28. bis 30. Oktober in Altenkirchen. Angeboten werden unter anderem Käse, Wurstspezialitäten und süße Köstlichkeiten aus verschiedenen Regionen Frankreichs.

Wer am Freitag durch Altenkirchen bummelt, erlebt also einen Markt, dessen Wurzeln weit in die Vergangenheit reichen. Von den großen Viehmärkten früherer Jahrhunderte ist nicht mehr viel geblieben. Die Tradition des Simon-Juda-Marktes besteht jedoch bis heute fort.

Historische Quellen: Stadt Altenkirchen, KuLaDig.

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