Wie sicher ist Ihr Zuhause bei Starkregen? Neuer HochwasserRisiko-Check

Westerwald/Rheinland-Pfalz. Die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 hat auf tragische Weise gezeigt, welche zerstörerischen Folgen extreme Regenfälle haben können. Doch nicht nur Häuser unmittelbar an Flüssen können gefährdet sein. Auch Starkregen kann Straßen, Keller und Grundstücke überfluten. Wie groß ist das Risiko am eigenen Wohnort? Ein neues kostenloses Onlineangebot des Landes Rheinland-Pfalz soll Bürgern helfen, diese Frage besser einzuschätzen.

Seit Dienstag, 27. Oktober 2026, steht der sogenannte HochwasserRisiko-Check zur Verfügung. Über die Eingabe einer Adresse können Hausbesitzer und Mieter prüfen, in welchem Maß ihr Wohnort durch Hochwasser und Sturzfluten nach Starkregen gefährdet sein könnte. Ein zusätzlicher Fragebogen ermöglicht individuelle Empfehlungen, wie sich mögliche Schäden verringern lassen.

Was der neue HochwasserRisiko-Check zeigt

Der kostenlose HochwasserRisiko-Check nutzt amtliche Gefahrenkarten und digitale Gebäudedaten. So lässt sich für eine ausgewählte Adresse erkennen, ob und in welchem Umfang ein Haus bei bestimmten Hochwasser- oder Starkregenszenarien von Überflutungen betroffen sein könnte.

Die Ergebnisse werden auf einer Karte dargestellt. Verschiedene Farben kennzeichnen die berechneten Wassertiefen und Gefahrenstufen. Dabei kann sich die Bewertung sogar zwischen unmittelbar benachbarten Häusern unterscheiden, etwa aufgrund kleiner Höhenunterschiede im Gelände.

Besonders hilfreich: Die Anwendung zeigt nicht nur mögliche Gefahren, sondern gibt auch Hinweise, wie sich Bewohner vor Schäden schützen können. Dafür berücksichtigt sie mithilfe eines Fragebogens die persönliche Wohnsituation.

Beispiel einer Gebäudeauswertung mit dem neuen HochwasserRisiko-Check: Während für das ausgewählte Haus eine erhöhte Gefahr durch Starkregen berechnet wird, gilt die Gefahr durch Flusshochwasser als sehr gering. Screenshot: HochwasserRisiko-Check Rheinland-Pfalz.

So können Sie Ihr eigenes Zuhause überprüfen

Die Nutzung ist einfach: Über das offizielle Wasserportal Rheinland-Pfalz starten Interessierte den HochwasserRisiko-Check mit einem Klick auf „Hier prüfen“ und geben ihre Wohnadresse ein. Nach Auswahl des Gebäudes erhalten sie eine erste Einschätzung der möglichen Überflutungsgefahr.

Anschließend können sie einen Online-Fragebogen ausfüllen. Dabei werden Angaben zur persönlichen Wohnsituation und zu den Gegebenheiten des Gebäudes abgefragt.

Auf Grundlage dieser Angaben schlägt das Portal individuelle Vorsorgemaßnahmen vor. Dabei wird zwischen Mietern und Eigentümern unterschieden, da nicht alle Maßnahmen für beide gleichermaßen umsetzbar sind.

Das Angebot ist kostenlos und wurde vom Land Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem HochwasserKompetenzCentrum (HKC) entwickelt.

Beispiel einer Gebäudeauswertung im neuen HochwasserRisiko-Check Rheinland-Pfalz. Für das ausgewählte Gebäude wird bei einem simulierten extremen Starkregenereignis eine maximale Wassertiefe von 0,73 Metern und eine erhöhte Gefährdung angezeigt. Screenshot: HochwasserRisiko-Check Rheinland-Pfalz.

Auch im Westerwald ist Starkregen ein Thema

Starkregen kann auch dort gefährlich werden, wo weit und breit kein größerer Fluss verläuft. Besonders an Hängen kann Wasser bei heftigen Niederschlägen schnell abfließen und sich in tiefer gelegenen Straßen, Kellern oder Geländemulden sammeln.

Auch im Kreis Altenkirchen beschäftigt man sich deshalb intensiv mit der Vorsorge. Allein die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld hat rund 1.400 mögliche Maßnahmen erarbeitet. Dazu gehören die geplante Erweiterung des Regenrückhaltebeckens im Parc de Tarbes in Altenkirchen und die Umgestaltung des Mammelzer Weihers, um künftig mehr Wasser zurückhalten zu können.

Über diese örtlichen Vorsorgeprojekte hat der Bürgerkurier bereits berichtet.

Wie kann man sein Zuhause vor Starkregen schützen?

Schon einfache Vorsorgemaßnahmen können dazu beitragen, Schäden durch eindringendes Wasser zu verringern. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt unter anderem, gefährdete Kellerfenster, Lichtschächte und Hauseingänge zu überprüfen und gegebenenfalls besser gegen Wasser abzusichern.

Auch eine geeignete Rückstausicherung kann wichtig sein, damit bei überlasteter Kanalisation kein Abwasser ins Gebäude gedrückt wird. Welche technische Lösung geeignet ist, sollte mit einem Fachbetrieb geklärt werden.

Wertvolle Gegenstände und empfindliche elektrische Geräte sollten möglichst nicht in überflutungsgefährdeten Kellerräumen aufbewahrt werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, den eigenen Versicherungsschutz zu überprüfen. Schäden durch Überschwemmungen sind in einer gewöhnlichen Wohngebäude- oder Hausratversicherung nicht automatisch abgedeckt. Dafür ist in der Regel eine entsprechende Elementarschadenabsicherung notwendig.

Welche Maßnahmen für das eigene Gebäude besonders sinnvoll sind, kann der neue HochwasserRisiko-Check anhand der persönlichen Angaben näher eingrenzen.

Wie zuverlässig sind die Ergebnisse?

Wichtig ist: Der HochwasserRisiko-Check liefert eine erste Gefährdungseinschätzung, aber keine exakte Vorhersage. Die Berechnungen beruhen auf bestimmten Hochwasser- und Starkregenszenarien. Tatsächliche Ereignisse können anders verlaufen oder schwerer ausfallen.

Auch örtliche Besonderheiten wie eine überlastete Kanalisation oder blockierte Wasserdurchlässe werden nicht vollständig abgebildet. Ein geringes berechnetes Risiko bedeutet deshalb nicht, dass ein Gebäude bei jedem Ereignis sicher ist.

Bei einer besonders hohen Gefährdung kann eine zusätzliche Begutachtung durch Fachleute sinnvoll sein.

Hier können Sie Ihr Zuhause kostenlos überprüfen

Der HochwasserRisiko-Check steht allen Bürgerinnen und Bürgern in Rheinland-Pfalz kostenlos zur Verfügung. Für die erste Einschätzung genügt die Eingabe einer Adresse. Wer zusätzlich den Fragebogen ausfüllt, erhält auf die persönliche Situation abgestimmte Vorsorgehinweise.

Zum offiziellen HochwasserRisiko-Check:

Quellen: Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau, Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz, Mitteilung vom 27. Oktober 2026; Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz; Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz; Bürgerkurier-Bericht zur Hochwasser- und Starkregenvorsorge in Altenkirchen-Flammersfeld.

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