Realschule plus Daaden-Herdorf startet mit neuem Namen in die Zukunft
Daaden. Der Name Hermann Gmeiner ist vom Schulgebäude verschwunden, die Homepage wurde angepasst, Stempel und fast alle E-Mail-Adressen sind ausgetauscht. Ein Jahr nach Bekanntwerden der schweren Missbrauchsvorwürfe gegen den Gründer der SOS-Kinderdörfer hat die Realschule plus Daaden-Herdorf ihren Namenswechsel nun auch nach außen weitgehend abgeschlossen. Die Entscheidung dafür war allerdings schon kurz nach den ersten Berichten gefallen – auf Initiative der Schulgemeinschaft selbst.
Seit 1982 hatte die Schule den Namen Hermann Gmeiners getragen. Als am 23. Oktober 2025 Vorwürfe sexueller Gewalt und Misshandlung gegen den 1986 verstorbenen Gründer der SOS-Kinderdörfer öffentlich wurden, reagierte die Schule innerhalb weniger Tage.
Die Gesamtkonferenz sprach sich einstimmig dafür aus, den bisherigen Namen abzulegen. Gleichzeitig entschied sich die Schulgemeinschaft bewusst gegen einen neuen persönlichen Namensgeber. Stattdessen sollte die Verbindung zur eigenen Region im Mittelpunkt stehen.
Im März 2026 machte der Kreistag Altenkirchen den Weg für die Umbenennung frei. Seitdem lautet der offizielle Name Realschule plus Daaden-Herdorf.
Ein Neuanfang aus der Schulgemeinschaft heraus
Der Erste Kreisbeigeordnete Tobias Gerhardus würdigt anlässlich des Jahrestages ausdrücklich die Rolle von Schülern, Eltern und Lehrkräften.
„Der Anstoß zur Namensänderung kam nicht von der Verwaltung oder der Politik, sondern von der Schule selbst“, betont Gerhardus. Der Schulträger und die politischen Gremien hätten diesen Schritt begleitet.
Die Auseinandersetzung mit dem früheren Namensgeber war dabei nicht allein eine Angelegenheit der Erwachsenen. Auch Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich mit den Vorwürfen und der Frage, welche Werte ihre Schule künftig nach außen vertreten soll.
Inzwischen zeigt sich die neue Identität im Alltag: vom Schriftzug am Gebäude über das Schullogo bis hin zur digitalen Kommunikation.
Was hinter den Vorwürfen gegen Hermann Gmeiner steckt
Hermann Gmeiner gründete 1949 die SOS-Kinderdörfer und galt über Jahrzehnte als bedeutende Persönlichkeit der Kinder- und Jugendhilfe.
Im Oktober 2025 machte SOS-Kinderdorf Österreich acht dokumentierte Opferschutzfälle im Zusammenhang mit Gmeiner öffentlich. Die Vorwürfe betreffen sexuelle Gewalt und Misshandlungen an Minderjährigen in den 1950er- bis 1980er-Jahren.
Die Organisation hatte die Schilderungen im Rahmen interner Opferschutzverfahren als plausibel anerkannt und Betroffene entschädigt. Die Verfahren ersetzen jedoch keine strafgerichtliche Feststellung. Im Zuge der weiteren Aufarbeitung wurden zusätzliche Hinweise bekannt.
Für die Schule in Daaden waren die Enthüllungen Anlass, sich von ihrem bisherigen Namensgeber zu distanzieren.
Soziales Engagement soll weitergehen
Was sich mit dem neuen Namen ausdrücklich nicht ändern soll, ist das soziale Engagement der Schule. Darauf legen Schulleiter Thomas Giehl, Konrektor Lars Limbach und der didaktische Koordinator Ulrik Upgang Wert.
Erst im Januar hatte die Schulgemeinschaft 18.700 Euro aus ihrem traditionellen Schulbasar an SOS-Kinderdörfer weltweit übergeben. Trotz der Vorwürfe gegen den Gründer bleibt der Kontakt zur Hilfsorganisation nach Angaben der Schulleitung eng und vertrauensvoll.
2026 standen die Aktionstage zugunsten der Lebenshilfe im Kreis Altenkirchen auf dem Programm. Für 2027 ist wieder der große Schulbasar vorgesehen. Auch eine erneute Unterstützung der SOS-Kinderdörfer wird nicht ausgeschlossen.
Schulleiter Thomas Giehl begründet diese Haltung mit einem einfachen Satz: „Und die Kinder selbst können ja nichts dafür.“
So steht die Realschule plus Daaden-Herdorf künftig mit einem neuen Namen für ihre regionale Verbundenheit – ohne ihre langjährige soziale Arbeit aufzugeben.
Quellen: Kreisverwaltung Altenkirchen, Pressemitteilung vom Oktober 2026; SOS-Kinderdorf Österreich; Kreistag Altenkirchen; ergänzende regionale Berichterstattung.
















