ALTENKIRCHEN – Circus Baruk – Ein Familienunternehmen in der siebten Generation gastiert in Altenkirchen
ALTENKIRCHEN – Circus Baruk – Ein Familienunternehmen in der siebten Generation – Am Samstag, 8. August war Première in Altenkirchen mit Lampenfieber
30 Grad Außentemperatur. Wir erwarten stickige Zeltluft. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Im Zelt der Circusfamilie Baruk ist eine angenehme Frische. Wie kommt das? Die Außenhaut der Konstruktion ist weiß. Diese Farbe isoliert die Sonnenstrahlen. Von Anfang an war eine entspannte und gute Stimmung bei der Première, die am Samstag, 8. August um 17:00 Uhr begann und rund zwei Stunden dauerte.
Johnny Weisheit unterliegt die Direktion des Familienbetriebes. Wir sprachen lange mit Manuela Baruk, die ihr Herzblut im Interview ausschüttete. Als Unternehmerin ist sie es gewohnt, für Geld zu arbeiten, zu kämpfen, nicht nur im Beruf, sondern auch auf privater Ebene. Es entwickelte sich ein Gespräch auf einem besonders herzlichen Niveau, im Schatten der Manege, die nur wenige Minuten zuvor die Zuschauer in ihren Bann gezogen hatte.
40 Tiere gehören zur Barukfamilie. Sie sind alle im Circus geboren und groß geworden. Manuela (61) ist es wichtig, dies zu erwähnen, weil man sich im Unternehmen unter anderem auch als Tierschützer sieht. Dies kommt in der ersten Darbietung am in der Kreisstadt in besonderer Weise rüber. Die Magie zwischen Tier und Mensch ist spürbar, und man sieht es in den Gesichtern der Besucher. Sie sind fasziniert. Das ist Circus der feinsten Art, so ein Besucher, der es liebt, die Vorführungen hautnah mitzuerleben. Selbst wenn Vierbeiner mal für einen kurzen Moment auf zwei Beinen stehen, so geschieht dies freiwillig. „Den Tieren macht es Spaß und sie wollen gut sein“, so erklärt es uns ein erfahrener Tierschützer. Zwischendurch bekommen sie ein Leckerchen. So läuft es rund.
Es ist kurz nach 17:00 Uhr. Die letzten Besucher eilen in das Zelt und kommen in eine andere Welt. Der Duft von Popkorn und Sägespänen liegt in der Luft. Rund 100 Besucher warten darauf, was kommt. Und vom ersten Moment an ist Stimmung da, ohne dass jemand anheizen muss.
Ein Teil der Familie hat die Wurzeln in Ostdeutschland. Dort, wo man Bescheidenheit gewohnt ist. Man möchte einfach und gut sein, ohne nach Perfektion zu streben. Gerade im Osten wird wert auf eine gute Ausbildung gelegt. Das ist in dem System wichtig, denn mit einer guten Ausbildung hat man bessere Chancen auf einen ordentlichen Beruf. Das gilt natürlich nicht nur für den Osten. Auch wenn es früher dort schon mal materielle Engpässe gab, aber die Menschen hielten zusammen und nahmen es mit Humor. Die Circus Akademie in Berlin hat die Verantwortung dafür getragen, dass der Nachwuchs in der Familie Baruk eine gute Ausbildung bekam.
Gelassenheit, gute Musik, kein Schnickschnack, sondern die Vorbereitung auf etwas Besonderes. Das ist es, was die Circusfamilie ausmacht. Sie schafft Gänsehautmomente. Es ist hautnah und echt. Manuela versteht es, mit einer Musik sowie Beleuchtung eine Begleitung in die Manege zu zaubern, die nicht stresst, sondern entspannt. Ein Beobachter meinte, dass sei Circus vom Feinsten. Die Zuschauer, die nach der Veranstaltung das Zelt verließen, bestätigten dies mehrfach. Gleichzeitig warnt sie aber auch vor sogenannten Trittbrettfahrern, die während der Zeit, wenn Circus gastiert, von Haus zu Haus laufen und angeblich Geld für den Circus sammeln wollen, es sich aber dann in die eigene Tasche stecken.
Das Lampenfieber war vorbei. Los ging die Show mit „Let It Be“ von den Beatles, ein Song, der 1970 entstand, als Manuela zarte fünf Jahre war. In Ostdeutschland war diese Musik etwas Besonderes, ein Stück Freiheit. Der Duft von Sägespänen, von Heu, eine exotische Tierschau. Das macht Circus Baruk aus. Wenn Freddy Quinn abgespielt wird, kommt Romantik und Sehnsucht auf. Der Kampf um Fleiß hat uns weitergebracht, so seine Worte. Das sind auch die Worte von Manuela, die als mehrfache Mutter viel Lebenserfahrung gesammelt hat.
Musik zum Verweilen. Zwei temperamentvolle Araberhengste, denen man den Spaß an ihrem Auftritt anmerkte. Die Tiere sind gepflegt, mit glänzendem Fall. Das Leben im Circus ist manchmal harte Arbeit, aber man spürt eine besondere Art von Hingabe und Herzblut. Einer ist für den anderen da. Alleine der Beifall und die begeisterten Pfiffe sind der Lohn. Ein angemessenes Eintrittsgeld, teils mit Ermäßigung, ist natürlich notwendig, damit ein solcher Betrieb aufrecht erhalten werden kann.
Johnny Baruk ist der Pferdeflüsterer mit eleganter Glitzerjacke. Er ist ein Künstler, der sein Handwerk versteht. Die anschließende Clownerie begeistert nicht nur die Kinder. Am meisten lieben sie es, wenn sie auch selbst in die Manege dürfen. Das bleibt für lange Zeit in ihren Köpfen und wird mit Sicherheit am Montag auf dem Schulhof Thema sein, wenn die Ferien vorbei sind.
Feuerspiele oder das Jonglieren mit beispielsweise acht Porzellantellern erfordern höchste Konzentration und Aufmerksamkeit. Den Zuschauern in der ersten Reihe wurde es warm, nicht nur alleine vom Anblick der attraktiven Tänzerin. Keiner in der Familie Baruk ist sich zu schade für jedwede Art körperlicher Betätigung. Das Ponyreiten in der Manege im Anschluss an die Show war für die Kinder ein besonderes Erlebnis. Ähnlich wie der Streichelzoo, der in der Pause angeboten wurde. Lamas, Kamele, Zebras und viele Kleintiere. Ein Erlebnis, das man in einem sonstigen Zoo so hautnah oft nicht erlebt wird. Weitere Vorstellungen sind sonntags um 11:00 Uhr sowie Mittwoch bis Samstag, jeweils um 17:00 Uhr. Als nächstes plant die Familie in Betzdorf ein Gastspiel zu geben.
Der Circus Baruk lebt in der siebten Generation und hat sieben Familienmitglieder. Die Zahl sieben gilt weltweit als bedeutungsvoll und magisch. Warum? Sie steht für Vollkommenheit, Weisheit und Glück. In vielen Kulturen nimmt sie eine Sonderstellung ein. Der Glaube sagt, dass sie das göttliche Wirken mit der irdischen Welt verbindet. (Werner Klak)






























