RHEINLAND-PFALZ – Tarifrunde im Einzel- und Versandhandel: Arbeitgeberverband verweigert weitere Verhandlungen und lässt Beschäftigte im Stich
RHEINLAND-PFALZ – Tarifrunde im Einzel- und Versandhandel: Arbeitgeberverband verweigert weitere Verhandlungen und lässt Beschäftigte im Stich
Der Arbeitgeberverband des Einzel- und Versandhandels in Rheinland-Pfalz und im Saarland hat die für den 15. Juli in Rheinland-Pfalz und den 20. Juli im Saarland geplanten Tarifverhandlungen kurzfristig abgesagt. Für die Beschäftigten, die im Saarland seit April und in Rheinland-Pfalz seit Mai auf dringend notwendige Entlastung warten, ist diese Entscheidung ein offener Skandal.
Das letzte Angebot der Arbeitgeber ist ein Risikopaket zulasten der Beschäftigten: 24 Monate Laufzeit und damit ein unkalkulierbares Risiko in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.
Im ersten Jahr nach sechs Nullmonaten lediglich zwei Prozent mehr.
Im zweiten Jahr nach drei weiteren Nullmonaten nur 1,5 Prozent mehr.
Dieses Angebot bleibt deutlich hinter der notwendigen Entlastung zurück und würde die Kaufkraft der Beschäftigten weiter schwächen. Die ver.di-Tarifkommission konnte ihm deshalb nicht zustimmen.
Für eine Verkäuferin oder einen Verkäufer in der letzten Tarifstufe würde das Arbeitgeberangebot ab dem 1. November 2026 lediglich 64,38 Euro brutto mehr im Monat bei Vollzeit bedeuten. Zuvor gäbe es sechs Monate lang keine Tariferhöhung. Ab dem 1. August 2027 kämen weitere 49,24 Euro brutto hinzu. Auch dieser Erhöhung gingen drei Nullmonate voraus.
Für die unteren Einkommensgruppen, darunter ungelernte Beschäftigte und Beschäftigte mit zweijähriger Ausbildung, reichen die angebotenen Erhöhungen rechnerisch nicht einmal aus, um den ab Januar 2027 geltenden gesetzlichen Mindestlohn von 14,60 Euro zu erreichen. Dass das Angebot der Arbeitgeber in einer der beschäftigungsstärksten Branchen teilweise unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns liegt, ist ein sozialpolitischer Skandal ersten Ranges.
ver.di fordert bei einer Laufzeit von zwölf Monaten 225 Euro mehr für die Beschäftigten und 150 Euro mehr für die Auszubildenden. Diese Forderungen sind angesichts der Preisentwicklung und der realen Lebenssituation der Beschäftigten im Handel notwendig. Sie sollen die Einkommen stabilisieren und verhindern, dass noch mehr Menschen trotz Arbeit von Armut bedroht sind.
Der Handel steht wirtschaftlich nicht schlecht da. Die Unternehmen können sich faire Löhne leisten. Stattdessen verweigern die Arbeitgeber nun sogar weitere Verhandlungen und lassen die Beschäftigten im Regen stehen. Dabei sind es die Beschäftigten, die jeden Tag dafür sorgen, dass der Handel funktioniert. Viele von ihnen wissen dennoch kaum noch, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen.
Die Absage der Verhandlungen ist eine kalkulierte Hinhaltetaktik. Sie zeigt, dass die Arbeitgeber bei denjenigen sparen wollen, die ohnehin am wenigsten haben.
Landesfachbereichsleiterin und Verhandlungsführerin Monika Di Silvestre kritisiert die Absage scharf: „Die Beschäftigten im Handel haben genug. Wir lassen uns nicht verramschen. Wir sind nicht die Billigheimer der Nation. Die Kolleginnen und Kollegen verdienen Respekt, Anerkennung und Einkommen, von denen sie leben können.“





















