HACHENBURG – Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Westerwald feiert Blaulichttag
HACHENBURG – Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, kaum eine Wolke: Das Wetter hätte nicht besser sein können. Auf dem Außengelände der Rundsporthalle in Hachenburg veranstaltete der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Westerwald Anfang Mai seinen ersten Blaulicht-Tag. Ein 60-Tonnen-Kran, Diensthunde der Polizei Koblenz, echte Einsatzfahrzeuge zum Anfassen – und dabei gelang etwas Seltenes: ernste Themen mit echtem Kinderlachen zu verbinden. Für viele Familien war dieser Tag zugleich ein erster Kontakt mit dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Westerwald. Der Dienst mit Sitz in Hachenburg arbeitet unter dem Dach der Deutschen Kinderhospiz Dienste. Er begleitet Familien mit lebensverkürzend oder lebensbedrohlich erkrankten Kindern. Alleine im Westerwald leben mehr als 240 schwerstkranke Kinder und Jugendliche. Weitere Infos unter Telefon 02662/9494590 oder kontakt@ambulanter-kinderhospizdienst-westerwald.de, https://ambulanter-kinderhospizdienst-westerwald.de/.
Hinter dem Tag steckt Jessica Lehnen, Standortleiterin des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Westerwald. Ihr Dienst begleitet betroffene Familien nicht erst in den letzten Lebenstagen ihres erkrankten Kindes, sondern von der Diagnose an, oft über viele Jahre. Ehrenamtliche entlasten, hören zu und schaffen Momente der Normalität in einem Alltag, der alles andere als normal ist. „Wir sind Lebensbegleiter, vom Anfang einer Diagnose bis zum Tod und darüber hinaus über viele, viele Jahre. Wir sind Zeitschenker.“
Für Lehnen war der Tag auch ein Mittel gegen die Scheu vor dem Wort „Hospiz“ – und eine Gelegenheit, bei der betroffene Familien sich gegenseitig finden konnten. Besonders die Geschwister erkrankter Kinder, oft die stillen Begleiter in den Familien, sollten einen Tag erleben, der ganz ihnen gehörte. „Wir bedanken uns bei allen Unterstützern und Helfern, die diesen Tag für uns möglich gemacht haben. Ganz besonders bei Marc Holl von der Feuerwehr Maroth für die Netzwerkkoordination, beim Team vom Nikolaus Hofladen Marienrachdorf, bei Luca Weilberg für die mediale Begleitung und bei der VG Hachenburg für die Zurverfügungstellung des Außengeländes der Rundsporthalle sowie bei der Tanzgruppe der TSG Westerwald Mittelrhein.“
Die Blaulichtfamilie Westerwald – ein funktionierendes Netzwerk
Die mehr als 80 Mitwirkenden des Tages zeigten, wie breit die Blaulichtfamilie aus dem Westerwald aufgestellt ist: Polizei Hachenburg, Diensthundestaffel des Polizeipräsidiums Koblenz, DRK Hachenburg und Selters, DRK Rettungswache Hachenburg, Kreisfeuerwehrverband, THW, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, JVA Koblenz, Feuerwehr Maroth, Feuerwehr Marienrachdorf, Feuerwehr Hachenburg, sowie der Wünschewagen und die Drohneneinheit des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) – alle präsent, alle nahbar, alle ansprechbar. Pünktlich um 13:00 Uhr starteten gemeinsam von allen mitwirkenden Fahrzeugen die Sirenen und Signallichter.
Marc Holl, stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Maroth und Mitorganisator, bringt es auf den Punkt: „Die Leute sollen sehen, dass wir für die Gemeinden jederzeit vor Ort sind – und nicht nur eine ,Feierwehr‘ sind, sondern auch eine Feuerwehr.“ Sein Ziel für die Familien: „Wir möchten, dass betroffene Familien die Kinderhospizarbeit kennenlernen und eine Anlaufstelle finden, um die nötige Unterstützung zu finden.“
Einer der bewegendsten Stände gehörte dem ASB Wünschewagen Rheinland-Pfalz. Projektkoordinatorin und Wünsche-Erfüllerin Manuela erklärte das Projekt: „Wir erfüllen letzte Herzenswünsche von Menschen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind – und fahren mit ihnen noch einmal an ihren Herzenswunschort, der oft ganz in der Nähe liegt.“ Einen Wunsch einreichen können Familien, Hausärzte, Hospizdienste, Palliativstationen oder im Grenzfall sogar die Nachbarin. Idealerweise braucht das Team zehn Tage zur Planung. Dabei gilt eine unverhandelbare Regel: Der Fahrgast muss selbst wissen und wollen. Überraschungsfahrten gibt es nicht. Der Wünschewagen finanziert sich ausschließlich über Spenden und das Ehrenamt.
60 Tonnen Herzblut – der 60-Tonnen-Kinderkran der Firma Scholpp war kaum zu übersehen beim Blaulicht-Tag und extra aus dem Südwesten angereist: Kranfahrerin Annika Geiger (23) ließ Kinder im Führerstand Platz nehmen und selbst einen Schäkel in einen Reifen manövrieren – für viele das erste Mal in einem solchen Gerät. Was die meisten nicht wussten: Der Kran ist Teil eines Charity-Projekts, das Scholpp seit Mai 2017 betreibt. Fünf von Kindern bunt bemalte 50-Tonnen-Kräne sind bundesweit im Einsatz – für jede Arbeitsstunde spendet Scholpp drei Euro an bedürftige Kinder und finanziert ihnen ein Mittagessen. Bislang wurden so mehr als 19.000 Mahlzeiten finanziert. „Mit diesem Kran engagieren wir uns jeden Tag für Kinder – deswegen war für uns klar: Für so einen Blaulichttag sind wir auf jeden Fall dabei.“ Für das leibliche Wohl beim Blaulicht-Tag sorgte der Nikolaus Hofladen aus Marienrachdorf rund um Torsten Höger. Pommes, Kartoffeltornados und kühle Getränke – bei sommerlichen Temperaturen genau das Richtige.
Ein Netzwerk, das trägt – und weiterwächst. Am Ende des Tages war klar: Das war kein einmaliges Ereignis. Jessica Lehnen fasst zusammen, worum es geht: „Es gibt ganz viel Netzwerk, das Unterstützung geben kann. Es geht nicht darum, auf letzte Wochentage oder Stunden zu gucken – wir begleiten das Leben. Und das über eine ganz, ganz lange Zeit.“ Der erste Blaulicht-Tag in Hachenburg war mehr als eine Veranstaltung – er war ein Zeichen, dass Hilfe, Gemeinschaft und Hoffnung nicht erst in der Krise beginnen.


















