ALTENKIRCHEN – Traditionshaus Möbelhaus Hoffmann

ALTENKIRCHEN – Traditionshaus Möbelhaus Hoffmann

Wie sieht das Möbelhaus Hoffmann die Situation, nachdem die Firma Pagnia in Betzdorf und dazugehörig auch Pack-zu in Altenkirchen, also im näheren Umfeld, Insolvenz angemeldet haben? Wir sprachen mit der Geschäftsleitung des Traditionshauses und hörten dabei interessante Aspekte.

Die Branche habe allgemein zu knabbern, erklärte Ulf Hausmann, Geschäftsführer der küchen-hoffmann GmbH. Er teilt sich die Verantwortung zur Hälfte mit Ralf Eitelberg. Am Wochenende feierten sie zehnjähriges Bestehen. Zurzeit sind sieben Mitarbeiter in dem Unternehmen beschäftigt. Vor der Pandemie waren es 11. „Haben Sie große Lagerbestände?“, war unsere Frage. Das sei nicht der Fall, so der engagierte Unternehmer, nur ein paar Geräte. Aber grundsätzlich werde alles auf Kundenauftrag angefertigt. „Wir müssen nicht die Billigsten sein“, fügte er hinzu. Man nehme damit in Kauf, auch mal einen Auftrag zu verlieren. Wenn ein Kunde mit dem Foto eines Möbelstücks komme, das ihm gut gefalle, könne es die Firma nachbauen, wollten wir wissen. „Natürlich“, kam hier die spontane Antwort.

Vielleicht spiele auch die familiäre Situation eine Rolle, dass man die Kosten niedrig halten könne und bescheiden lebe, meinte ein Beobachter, der die Gepflogenheiten des Hauses kenne. „Vom Geld ausgeben, wird man nicht reich“, sagt ein altes Sprichwort, zitierte der Beobachter weiter.

Grundsätzlich wird das Unternehmen sowohl auf der Seite Küchen, wie auch auf der Seite Möbel, die mit vier Mitarbeitern agiert, sehr solide geführt, was die Finanzen und Buchhaltung betreffen. Zudem geht man mit den Kunden behutsam um, berücksichtigt deren finanzielle Situation und hilft, wo es nötig und möglich ist. Wenn es mal ein Problem gebe, sei man umgehend zur Stelle und müsse nicht irgendwo in der Warteschleife hängen, drückt sich Hausmann salopp aus. Er ist ein Mann der Tat, der vom Fach kommt und manches auch mit etwas Abstand sieht.

Gunda Hoffmann erinnert sich an die Gründung des Unternehmens, als sei es gestern gewesen. Am 1. Juli 1964 habe ihr Schwiegervater, Wilhelm Hoffmann, den sie liebevoll Opa nennt, in Brauns Wirtschaft in Almersbach angefangen. Mit 60 Jahren habe er mutig ein Grundstück auf dem jetzigen Standort erworben und in vier Jahren eine insgesamt 180 Quadratmeter große Halle gebaut, so dass im Oktober 1968 Einzug gefeiert werden konnte. Allerdings stellte sich damals im Zuge der Bauphase heraus, dass das Grundstück ein Gefälle von 3,2 Metern hatte, so dass 80 Quadratmeter unterkellert werden mussten, was eine enorme finanzielle Mehrbelastung bedeutete. Nur durch einen Landeskredit von 350.000 D-Mark konnte dies aufgefangen werden. Eine Bank hatte sich bereits zurückgezogen und meinte, man solle die Bauruine verkaufen. Leider musste sich die Familie von dem Visionär schon in seinem 66. Lebensjahr von ihm verabschieden. Er war lange Jahre beim Finanzamt tätig und zuvor im Möbelvertrieb. Dass er mit 60 Jahren eine solche Herausforderung gemeistert habe, bezeichnete Gunda Hoffmann als sehr mutig. Sie arbeitete als gebürtige Oberwesterwälderin immer gerne für das Unternehmen, fing im Büro und in der Buchhaltung an und später auch im Verkauf. In wenigen Wochen besteht das Unternehmen seit 62 Jahren und hat sich vorgenommen, Qualität und Kundenzufriedenheit in den Vordergrund zu stellen.

Das Herzstück von Möbel Hoffmann ist der Bereich Ausstattung für den Wohn- und Schlafbereich, der von Antje Hoffmann-Schulz und ihrem Ehemann Roland geleitet wird. „Aber wie unterscheidet sich ein Haus, wie Möbel Hoffmann von anderen Häusern?“, wollten wir in unserem Interview wissen. Die Antwort ist nicht mit einem Satz beschrieben, aber es wird deutlich, dass man sich ganz besonders mit dem Geschäft identifiziert, gut gebildet ist und mit dem entsprechenden Sachverstand dem Kunden nahebringen kann, was auf Dauer gut ist. Als Eigentümer sei man nicht auf Provision angewiesen, sondern könne dem Kunden auch ein hochwertiges Produkt verkaufen, das auf längere Zeit zinsfrei abbezahlt werden kann, so die Geschäftsführerin.

Die Zirbelkiefer, ein Holz, das in den Alpen und den Karpaten über 1600 Meter wächst, zieht sich wie ein roter Faden durch die Besprechung. Antje und Roland erklären, wie dieses Holz und die dazugehörigen Matratzen und der passende Unterbau das Schlafen und damit die Lebensqualität verbessern können. Die Zirbel ist ein Gehölz, aus dem ätherische Öle gewonnen werden. Leicht vorstellbar, dass der angenehme Geruch sich auf einen gesunden Schlaf auswirken kann, haben Studien ergeben. Nicht nur bei Möbeln und Betten wird dieses Holz verwendet, sondern bei Hoffmanns ist auch eine entsprechende Hydrosoft Wellnesskabine im Angebot, die bei angenehmen 30 Grad Celsius und 80 bis 90 Prozent relativer Luftfeuchte funktioniert. Wenn Kunden im Anschluss an eine Lieferung wiederkommen und sich bedanken, ist es für Antje das größte Geschenk. Sie strahlt, wenn sie davon erzählt.

„Aber wie kann man den Kunden von dem Preis für eine hochwertige Qualität überzeugen?“, interessiert uns in dem Gespräch. Die Antwort ist einfach und doch ein wenig komplex: „Mit der Ausstrahlung der Chefverkäuferin“, so ein weiterer Beobachter des Hauses. Für Antje war es vor über 20 Jahren eigentlich kein Thema, Verkäuferin zu werden, aber private Umstände haben sie in diese Rolle gebracht. Sie ist ein Mensch, der es versteht, auch aus widrigen Umständen etwas Positives zu kreieren. Global denken und regional einkaufen, ist ihre Devise. Demnächst werden auch sogenannte Resonanzmatten ins Programm aufgenommen, die auf die Matratze gelegt werden und elektrisch betrieben für einen verbesserten Stoffwechsel sorgen. Auch dies sei durch Studien bewiesen, so die Verkäuferin. Aber für die gebürtige Bad Marienbergerin, die in Köln zur Schule ging, ist die Aussage von Studien eins – trotzdem nehme sie erst dann ein Produkt in die Palette auf, wenn es persönlich begutachtet und damit Erfahrung gesammelt worden ist.

Über die kürzliche Insolvenz von Pagnia Betzdorf und deren Niederlassungen, wovon 90 Arbeitsplätze betroffen sind, zeigte sich Antje traurig. Grundsätzlich sieht sie Firmen ihrer Branche als Kollegen, nicht als Konkurrenz. Man habe die gleiche Schule besucht, fügte sie hinzu. Sie hoffe, dass ein Firmenprimus der Branche den Aufkauf tätigt, damit es für die Beschäftigten weitergehen könne. Allgemein, so führt Ehemann Roland aus, gehe es der Möbelbranche nicht gut. Grund hierfür sei ein verändertes Konsumverhalten. Geld werde eher für Freizeitaktivitäten oder Reisen ausgegeben. Hinzu komme, dass die behördlichen Abgaben steigend sind und es dem Mittelstand generell schwer gemacht werde, sei es durch Abgaben oder Bürokratismus. „Ist der Betrieb zertifiziert?“, wollten wir wissen. „Wer soll sich das leisten können?“, kam die spontane Antwort. Aber die Hauptlieferanten sind in Bayern angesiedelt, die auf Herz und Nieren zertifiziert sind, so die sinngemäße Ergänzung. Antje abschließend: „Ich schlafe besonders gut, wenn ich jemandem etwas Gutes verkauft habe“. (Werner Klak)

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