ALTENKIRCHEN – Ruhe, Sicherheit und Sauberkeit – Caritas-Notschlafstelle gewährt bis zu drei Nächte „Luft holen“

ALTENKIRCHEN – Ruhe, Sicherheit und Sauberkeit – Caritas-Notschlafstelle gewährt bis zu drei Nächte „Luft holen“

ALTENKIRCHEN – Am Abend duschen, Zähne putzen, Wäsche wechseln, ein gemachtes Bett vorfinden: Kleine Dinge des Alltags, über die sich die meisten Menschen wenig Gedanken machen. Es sei denn, sie haben keine Wohnung mehr. Dann wird nicht nur Alltägliches kostbar: „Menschen, die ihre Wohnung verlieren sind verunsichert und ratlos. Es fehlen Perspektiven“, sagt Manfred Glaßner, der sich schon seit vielen Jahren für die Einrichtung einer Notschlafstelle in Altenkirchen eingesetzt hat. Seit inzwischen drei Jahren betreut er gemeinsam mit Monika Krämer und Claudia Friede Menschen, die hier für bis zu drei Nächten Luft holen können. Andrea Glaßner und Simone Gaertner stehen für die hauswirtschaftliche Arbeit zur Verfügung.

Das ehrenamtliche Team der Caritas-Notschlafstelle schildert eindrücklich, wie viel eine Nacht in Ruhe, Sicherheit und Sauberkeit für Menschen ohne Obdach und Wohnung bedeutet. Und die Nachfrage steigt. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Gäste im Vergleich zu 2024 auf 85 bei 177 Übernachtungen mehr als verdoppelt. Waren es vor zwei Jahren noch fast ausschließlich Männer, baten in den vergangenen zwölf Monaten zunehmend auch Frauen um Aufnahme. „Etliche Hilfesuchende verfügen über kein Geld oder haben nicht die notwendigen Unterstützungsleistungen beantragt“, so Glaßner. „Da hilft schon mal ein Gutschein für ein Essen, oder die Möglichkeit, Wäsche zu waschen und zu trocknen“.

„Die Gründe, warum die Menschen bei uns anrufen, sind vielfältig“, weiß Monika Krämer, die es erfüllend findet, „in einer Notsituation helfen zu können.“ Gelegentlich hat sich die schwierige Situation sehr plötzlich ergeben, haben der Vermieter oder der Mitbewohner das Schloss ausgetauscht oder die Freundin die Beziehung aufgekündigt. Manchmal finden Haftentlassene kein Dach über dem Kopf, sehr häufig tragen psychische Probleme zum Wohnungsverlust bei. Allen gemeinsam ist: „Wer bei uns anruft, ist in Not und sieht keine Alternative“, führt Manfred Glaßner aus. „Es ist schwierig, Menschen für diese ehrenamtliche Arbeit anzuwerben“, bedauert er und würde sich über Zuwachs des Grüppchens sehr freuen.

Er möchte anderen Freiwilligen Mut machen: „Die Gäste in der Notschlafstelle sind in aller Regel sehr freundlich und dankbar“, berichten sie unisono. Besonders hilfreich ist zudem der kurze Weg zur Fachberatung Wohnraumsicherung im selben Gebäude. Denn, so die Sozialarbeiterin Tatjana Bär-Otto, „komplexe Lebensgeschichten erfordern gutes Zuhören und Fingerspitzengefühl beim Suchen der notwendigen Hilfen.“ Schnelle Lösungen sind selten, manchmal müssen Menschen auch mehrfach aufgenommen werden, bis eine tragfähigere Lösung gefunden ist.

Die Arbeit der Notschlafstelle ist nur möglich, weil der Caritasverband Rhein-Sieg Räume zur Verfügung stellt und die Energiekosten trägt. Die übrigen Kosten – im vergangenen Jahr rund 1200 Euro werden aus Spenden getragen.

Foto: von links nach rechts: Simone Gaertner, Monika Krämer, Tatjana Bär-Otto, Claudia Friede, Manfred Glaßner und Andrea Glaßner.

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