KREISGEBIET – Was macht die Faszination Fahrradfahren aus?
KREISGEBIET – Kürzlich haben wir darüber berichtet, was die Faszination des Mottoradfahrens ausmacht. Inzwischen hat einer unserer Mitarbeiter, der selbst seit Jahrzehnten Fahrrad fährt, eine Recherche über das Fahren mit dem Velo gemacht.
Angefangen hatte alles 1968. Es begann als Balljunge auf einem privaten Tennisplatz in Altenkirchen. Am Wochenende gab es fünf bis sieben Mark, pro Tag, also Samstag und Sonntag. Es waren zumeist Selbstständige oder leitende Angestellte. Jeder Spieler zahlte eine Mark Pflicht, manche gaben sogar zwei Mark, so dass das Tagesgehalt auch schon mal auf 10 Mark anstieg. Bei Turnieren immerhin bis 12 Mark. Nach knapp zwei Saisons war das Geld für das erste Fahrrad zusammengekommen.
Der knapp 10 Jahre jüngere Bruder unseres Mitarbeiters, lernte bei ihm das Radfahren auf einem Parkplatz und kapierte schnell. Nach einigen Jahren wurde ein neues Rad in einem heimischen Kaufhaus erworben, dann bei einem nicht ganz so professionellen Radhändler.
Ein Freund kam auf die Idee, vor fünf Jahren ein Rad bauen zu lassen, und das war der beste Ratschlag. Außer einem neuen Hinterrad für 83 Euro inklusive Montage war in der ganzen Zeit keine Investition notwendig. Und das bei dem täglichen Gebrauch und einer Leistung von durchschnittlich 20 Kilometern am Tag. Der Radbauer hat einen einzigartigen Kundendienst und Service. Kette schmieren, Luft, Schaltung einstellen … alles kostenlos. Es lohnt sich also heimisch zu kaufen, so der Tenor eines Beobachters. Der Ratgeber fährt 30 bis 70 Kilometer fast täglich und das nicht nur auf heimischem Terrain, sondern auch auf der Lieblingsinsel der Deutschen, Mallorca. Dort sind ausgebaute Radwege durch Oliven- und Zitronenhaine Standard.
In Rheinland-Pfalz werden jährlich 190.000 bis 200.000 Fahrräder verkauft. In Deutschland sind es 3,8 bis 4 Millionen inklusive der E-Bikes. Aber was macht die Faszination des Fahrradfahrens tatsächlich aus? Es ist die Naturverbundenheit, so einige der Radfahrer, die wir mit dieser Frage konfrontierten. Hinzu kommt das Gefühl, nicht nur etwas Gutes für den eigenen Körper getan zu haben, sondern auch einen Beitrag für die Umwelt zu leisten. Denn diejenigen, die am Wochenende in dicken Limousinen die Landschaft erkunden und dabei tausende Liter Sprit in die Atmosphäre in Form von Molekülen pusten … „Was soll das?“, fragte ein heimisches Ehepaar, das das Fahrradfahren seit vielen Jahren zur Leidenschaft gemacht hat. Es seien oftmals die Auswärtigen, die aus dem Ruhrgebiet oder sonstigen Ballungsräumen kommen und den Westerwäldern dies hinterlassen. Die Einheimischen sind lieber auf dem Zweirad unterwegs.
Was kostet es, ein Rad bauen zu lassen ohne E-Motor? Es geht bei etwa 1.400 Euro los. Für E-Bikes mit allem drum und dran kann es auch schon mal rund 15.000 Euro werden. Dazwischen gibt es eine Vielzahl von Variationen. Es sind laut Statistik über 20 verschiedene Versionen auf dem Markt.
Zunächst lässt sich Fahrradfahren sehr gut in den Alltag integrieren. Es stärkt das Herz-Kreislauf-System, kurbelt die Fettverbrennung an und kräftigt die Bein- und Gesäßmuskulatur. „Ist Fahrradfahren etwas für Menschen mit Gleichgewichtsproblemen?“ wollten wir in unserer Recherche wissen. Die klare Antwort: „Ja“, denn entsprechend adaptive Fahrräder ersetzen fehlende Stabilität durch statische Balance. Der Fachhändler berät hierzu gerne. Dreiräder sind dazu der absolute Klassiker, zumal das Fahrradfahren gelenkschonend ist. Beispielsweise Bandscheibenvorfälle werden so therapiert.
Bleibt zu hoffen, dass Menschen sich mehr in Richtung Mobilität bewegen, anstatt die Freizeit vor dem Tablet, Fernseher oder Handy zu verbringen, meinte ein weiterer Passant, den wir zu diesem Thema befragten. Denn wie heißt es so schön: „Wer rastet, der rostet“. (Werner Klak)





















