ALTENKIRCHEN – Schützenfest Altenkirchen – Wie sieht es hinter den Kulissen aus?
ALTENKIRCHEN – Schützenfest Altenkirchen – Wie sieht es hinter den Kulissen aus?
Es ist 3:45 Uhr morgens. Einer unserer Mitarbeiter betritt das erleuchtete Festzelt der Altenkirchener Schützengesellschaft 1845, die in diesem Jahr das 181. Volks- und Schützenfest feiert. An der Theke steht der Event Manager, der seit 19 Uhr des Vortages Dienst schiebt. In den beiden Nächten zuvor trat er seine Arbeit um 1:30 Uhr nachts an. In dieser Nacht beginnt er früher, die Schützen gingen früh nach Hause, um für das Vogelschießen am Montag fit zu sein.
Was ist in der Nacht zu tun? Wenn mehrere hundert Menschen ein Fest feiern und das Zelt verlassen, sieht es entsprechend aus. Zunächst muss gekehrt werden, die Mülleiner sind zu leeren, die Theke und Tische zu säubern. Sehr viel ist bis 3:45 Uhr schon passiert und Zeit ist bis 12 Uhr, dann beginnt der Frühschoppen. Die fleißige Thekenmannschaft trifft eine halbe Stunde vorher ein.
Hunderte von Gläsern sind bereits gespült. Hierfür gibt es einen Automaten, der ganze Körbe mit heißem Wasser und einem Spülmittel säubert. Dieses Gerät ist seit Corona Pflicht, erfahren wir. Was ist sonst noch zu tun? Im Zelt darf geraucht werden, also sind rund 100 Aschenbecher zu reinigen. Auf den Tischen müssen die alten Papierdecken entfernt, und frische Papierrollen kommen zum Einsatz, werden auf die Länge der Tische geschnitten und am Kopfende fixiert.
Es bleiben einige Tische unberührt. Was ist damit? Das ist der Thron um Königin Julia, die Erste, herum. Diese Tische werden vom Schützenverein eingedeckt, wird uns erklärt. Und dann? Ach ja, in der Spülküche stehen noch die gespülten Aschenbecher. Sie müssen zunächst getrocknet werden, bevor sie auf den Tischen verteilt werden können. Gastro muss man lieben, sagt einer der Besucher, der in den frühen Morgenstunden reinschaut und sich vergewissert, dass alles läuft.
Am Eingang ein Stapel Schützenhefte. Hefte ist wohl der falsche Ausdruck. Es ist ein Buch mit 232 Seiten, mit Berichten aus vergangenen Zeiten, bis hin zum Zweiten Weltkrieg als die Kreisstadt in Schutt und Asche lag. Alles liebevoll in endlosen Stunden zusammengetragen. Nicht zu vergessen die zahlreichen Werbeanzeigen. Wohl kaum ein Betrieb in und um Altenkirchen, der sich hier nicht präsentiert. Für die Geschäftswelt ist es eine Tradition im Sponsoring zu sein. Ohne dieses finanzielle Engagement wäre es nicht möglich, einen Verein mit über 500 Mitgliedern zu finanzieren, so einer der Schützen, der dem Vorstand angehört.
Vor dem Zelt steht ein Container, hier werden Dutzende von Müllsäcken entsorgt, Zigarettenkippen, zerborstene Gläser, Essensreste … und und und. Irgendwann setzt ein Automatismus ein, ein Begriff, den man aus dem Fußball kennt. Ach ja, die Weltmeisterschaft läuft ja, Deutschland ist zwar raus, aber in dieser Nacht spielen Frankreich und England, die das Viertelfinale erreichen. Über Internet schaut man zwischendurch aufs Handy, um sich über die Zwischenstände zu informieren. Dann geht die Arbeit weiter. Vieles im Verein läuft über Ehrenamt. Gleichwohl, wie die Sponsoren ist es notwendig, um die gewaltige Logistik eines solchen viertägigen Festes zu stemmen.
Wird es bald hell? Die ersten Vögel zwitschern, und so langsam kommt das Tageslicht hinter den Bäumen hervor, die mächtig neben dem Festzelt in die Höhe ragen. Ein neuer Tag bricht an. Wer wird als nächster König oder bekommen wir die zweite Königin der Vereinsgeschichte? Eins steht schon jetzt fest, Königin Julia hat ihren Job mehr als gut gemacht. Sie ist ein Vorbild der Gesellschaft, die sie sehr schätzt. Am Abend wird sie den Nachfolger oder gar eine Nachfolgerin beglückwünschen. Ein schönes Schützenjahr geht dann zu Ende. Am kommenden Morgen um 7 Uhr ist Zeltabbau, dann geht es nach Wissen. Unser Mitarbeiter verlässt im Morgengrauen das Zelt, die Arbeit ist getan und der Kaffee schmeckt jetzt besonders gut. (Werner Klak)



















