ALTENKIRCHEN – Zirkus der Erich-Kästner-Schule

ALTENKIRCHEN – Zirkus der Erich-Kästner-Schule

Einen Rekordbesuch von 500 Zuschauern … Ausverkauft! So das Fazit am Donnerstagnachmittag im Zirkuszelt Rondel auf dem Weyerdamm. Viele ehrenamtliche Helfer machten die Veranstaltung zu einer runden Sache, als die Schülerinnen und Schüler der Erich-Kästner-Schule ihr Bestes gaben. Die Stimmung war überwältigend bei ordentlichen Temperaturen in der Arena. Der Geräuschpegel war immens.

Mit einer weiteren Vorstellung am Abend waren dies die Abschiedsvorstellungen am 21. und 22. Mai. Der Zirkus gastierte zwei Wochen in der Kreisstadt. Akrobatik, Romantik und gute Laune lagen in der Luft, so eine der älteren Zuschauerinnen. Die Begeisterung kannte kaum Grenzen. Die Übungen waren gut einstudiert. Am Morgen konnten wir uns von der Probenarbeit überzeugen. Der Zirkus ist harter Fleiß, aber mit viel Spaß verbunden. Ohne die freiwilligen Helfer und die unermüdlichen Familien wären solche Tage nicht zu stemmen. Aber Zirkus übt immer wieder eine Faszination aus, was alles mit viel Herzblut vonstatten geht.

Wer eigentlich Erich Kästner war, wollten wir in unserer Recherche wissen. Ein bedeutender deutscher Schriftsteller, der 1899 in Dresden geboren wurde und 1919 dort sein Abitur machte. An der Universität in Leipzig belegte er die Fächer Germanistik, Geschichte, Philosophie und Theaterwissenschaften. Im Herbst 1945 zog er nach München, wo er bis 1974 seinen Lebensabend verbrachte. Er war vor allem für seine zeitlosen Kinderbuchklassiker sowie scharfsinnige, pazifistische Gesellschaftskritik bekannt. Emil und die Detektive, Pünktchen und Anton sowie „Das fliegende Klassenzimmer“ stammen aus seiner Feder. Mit „Das doppelte Lottchen“ erlangte er Weltruhm. Rund 16 Mal wurde dieser Roman verfilmt. Sein bekanntester Erwachsenenroman ist wohl Fabian. Während des NS-Regimes wurden seine Bücher 1933 öffentlich verbrannt. Übrigens, die Grundschule in der Kreisstadt wurde 1974 nach seinem Namen benannt. Eine weitere Ausbildungsstätte mit seinem Namen steht in Hamburg. 350 Kinder gehen in Altenkirchen in jeweils vier Klassen in den vier Jahrgängen in die Schule. 43 Lehrer und Betreuer sind dafür verantwortlich. „Gibt es ein Thema mit Handys?“, wollten wir von einer Lehrerin wissen. Nein, das gebe es nicht, so ihre Antwort.

Der Zirkus Rondel hat 19 Mitarbeiter und besteht aus der Firma Ortmann. Die genaue Zahl kann je nach Tournee und Engagement zusätzlicher Artisten oder Helfer leicht variieren. Die Familie ist seit 32 Jahren auf Tour. Schwerpunkte der Arbeit sind die Förderung von Jugendlichen. Dankbar sind sie für die Unterstützung kommunaler Einrichtungen oder auch von privater Seite. Sie bescheren dem Publikum unvergessliche Momente, was auch in Altenkirchen deutlich zu spüren war. Man konnte sogenannte Prominente aus dem Fernsehen engagieren, die füllen das Zelt nicht zur Hälfte, so ein Beobachter und diese „Künstler“ stellen sind letztendlich als eine peinliche Lachnummer heraus, haben den eigenen Kameramann dabei und kriegen nicht wirklich etwas gebacken.

Als echte und authentische Zirkusfamilie wohnen die Rondels nicht in einem Hotel, sondern in modernen Wohnwagen. Die Kinder erleben den familiären Zusammenhalt und bekommen Einblicke in die organisatorischen Abläufe. So beobachteten wir am Morgen einen Rentner, der mit einem Bollerwagen Milchtüten lieferte. Die Ausbildung der Zirkusleute ist in Köln. Rheinland-Pfalz hat keine offizielle Einrichtung. Speed Jongleure, Luftakrobatik, eine Clown-Party. All das schenkte den Besuchern und Teilnehmern große Freude und unvergessene Momente. Wann kann man als Neunjähriger vor einem solchen Publikum zeigen, was man einstudiert hat? In Altenkirchen war es in vollendeter Perfektion zu sehen.

In Deutschland gibt es rund 350 Zirkusfamilien, 300 von ihnen sind aktiv unterwegs. Zu den bekanntesten und traditionsreichsten gehören der Zirkus Krone, Roncalli oder die Familien Frank und Sperlich. Am Samstagmorgen wird der Zirkus abgebaut. Das nächste Engagement ist noch nicht bekannt und soll auf Instagram veröffentlicht werden. Bleibt zu hoffen, dass die Familie im nächsten Jahr wieder in der Kreisstadt zu sehen sein wird. (Werner Klak)

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