RHEINLAND-PFALZ – Homeoffice gestrichen – ausgerechnet im Betrieb mit Betriebsrat
RHEINLAND-PFALZ – Homeoffice gestrichen – ausgerechnet im Betrieb mit Betriebsrat – ver.di kritisiert Eskalation bei 1&1 in Montabaur
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisiert die am 25. September angekündigte Abschaffung des Homeoffice im mitbestimmten Betrieb der 1&1 Telecommunication SE in Montabaur ausdrücklich. Ab 2027 sollen die bisherigen Homeoffice-Tage vollständig entfallen, während mobiles Arbeiten in anderen Konzernteilen ohne einen Betriebsrat erhalten bleiben sollen. Hintergrund sind bislang ergebnislose Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat zur Arbeitszeiterfassung, welche bereits seit mehr als zwei Jahren laufen. Zwischenzeitlich war eine Einigung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat in Reichweite, bevor zentrale Punkte auf der Zielgeraden durch den Arbeitgeber wieder infrage gestellt wurden.
„Wer nach gescheiterten Verhandlungen ausgerechnet im Betrieb mit Betriebsrat das Homeoffice abschafft, setzt Beschäftigte und ihre gewählte Interessenvertretung unter Druck. Wer seine Mitbestimmungsrechte wahrnimmt, darf deshalb keine schlechteren Arbeitsbedingungen bekommen. Wir fordern 1&1 dazu auf, das Homeoffice zu erhalten und den Konflikt am Verhandlungstisch zu lösen“, erklärt Holger Meuler, zuständiger Gewerkschaftssekretär.
1&1 begründet den Schritt mit der notwendigen Arbeitszeiterfassung und einer fehlenden Einigung über deren Umsetzung im Homeoffice. Für ver.di überzeugt diese Begründung nicht, denn Arbeitszeiten lassen sich auch außerhalb des Büros erfassen. Auch in anderen Teilen des Konzerns soll eine Arbeitszeiterfassung eingeführt werden. Dort soll mobiles Arbeiten (in Betrieben ohne Betriebsrat) jedoch weiterhin möglich sein. Für ver.di stellt sich daher die Frage, warum dies ausgerechnet im mitbestimmten Betrieb in Montabaur anders gehandhabt werden soll.
Besonders brisant ist, dass einem Teil der Beschäftigten in Montabaur mobiles Arbeiten im Arbeitsvertrag zugesichert ist. Wie 1&1 mit diesen Vereinbarungen umgehen will, ist bislang unklar. ver.di fordert, vertragliche Zusagen einzuhalten und allen Betroffenen Klarheit zu geben. Allen ver.di Mitgliedern steht natürlich durch den Rechtsschutz offen, den Klageweg zu beschreiten.
Für Streitfragen der Mitbestimmung gibt es mit der Einigungsstelle ein gesetzlich klar geregeltes Verfahren. ver.di fordert die Arbeitgeberseite deshalb auf, den Weg des Drucks auf die Beschäftigten zu verlassen und stattdessen zu konstruktiven Gesprächen mit dem Betriebsrat zurückzukehren.
„Die Beschäftigten brauchen Verlässlichkeit. Statt sie durch den Entzug von Homeoffice zu belasten, muss 1&1 gemeinsam mit dem Betriebsrat eine Lösung finden. Wir stehen an der Seite der Kolleginnen und Kollegen, die sich solidarisch hinter ihre gewählte Interessenvertretung stellen“, so Meuler abschließend.
ver.di ruft die Beschäftigten auf, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Gemeinsam können sie für verbindliche Arbeitsbedingungen eintreten. Ein Tarifvertrag kann Homeoffice dauerhaft absichern.

















