BETZDORF – Erfolgreiche Premiere des Demokratietags
BETZDORF – Erfolgreiche Premiere des Demokratietags – Schüler entwickelten konkrete Projekte zur Attraktivitätssteigerung des eigenen Umfelds
Kreis Altenkirchen/Betzdorf. Dieser Modellversuch schreit förmlich nach Konstanz und Fortsetzung: Beim kreisweit ersten Demokratietag an der IGS Betzdorf-Kirchen wurden viele, viele Klischees von einer teilnahmslosen und am eigenen Umfeld desinteressierten Jugend widerlegt. Stattdessen gab es sehr gut durchdachte Ideen, wie das (Freizeit-)Leben vor der eigenen Haustür attraktiver gestaltet werden kann. Denn genau das war die Vorgabe, die das Jugendamt der Kreisverwaltung den Schülerinnen und Schüler als Hausaufgabe mitgegeben hatte. Grundlage für diesen Demokratietag, der künftig alternierend in allen Verbandsgemeinden stattfinden soll, war ein Beschluss des Kreistags nach einer Empfehlung der Arbeits- und Findungskommission „Jugend und Demokratie“.
Und so hatte Jennifer Weitershagen in Zusammenarbeit mit Dirk Hohmann ein Konzept ausgearbeitet, basierend auf den Erfahrungen aus dem Wissener Jugendparlament, wo einer Analyse des Ist-Zustands konkrete Verbesserungsvorschläge gefolgt waren (mit tatsächlicher Umsetzung). Für die Premiere des Demokratietags an der IGS sollten die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 8 bis 13 konkrete Projekte für die Städte Betzdorf und Kirchen entwickeln.
In der Aula der IGS am Struhof standen nun die jeweiligen Siegervorschläge aus den Klassen bzw. Kursen zur Abstimmung. Am Ende erhielt die Idee der „13er“ die meisten Stimmen: der Bau einer Multifunktionssportanlage in Betzdorf. Dafür gab es seitens des Kreises 1000 Euro Preisgeld. Überhaupt stehen offenbar zusätzliche Sportangebote im Raum Betzdorf/Kirchen ganz oben auf der Wunschliste der Jugendlichen, befassten sich doch drei der sechs Projekte mit diesem Thema.
Auch wenn es beim Voting einen Sieger geben musste, letztlich waren alle Stufen echte Gewinner. So waren die Achtklässler mit einem Jugendtaxi ins Rennen gegangen, bei dem die Fahrgäste nur die Hälfte des üblichen Tarifs bezahlen – für die andere Hälfte waren kommunale Gelder bzw. ein Sponsoring eingeplant. Überhaupt lag allen Projekten ein konkretes Finanzierungsmodell zugrunde, im Fall der Sieger das LEADER-Programm und die Sportstättenförderung des Kreises.
Aus den Stufen 10 und 11 standen ebenfalls Sportanlagen zur Wahl. Die Zehner hatten sich dazu den alten Sportplatz in Alsdorf als Standort ausgeguckt, die Oberstufenschüler plädierten für eine Aufwertung des Stadiongeländes in Betzdorf und eine öffentliche Nutzung des Hardtkopf-Sportplatzes in Kirchen. Die Stufe 9 wollte die Leerstände in der Siegpassage an der Wilhelmstraße in Betzdorf nutzen, um dort ein Kino mit Open-air-Specials zu verbinden, während die Stufe 12 ihre Idee mit „Join us“ überschrieben hatte: Verschiedene Freizeit- und Mitmachangebote unter dem Mantel eines Vereins.
Was bei den Abiturienten und ihrer Multifunktionssportanlage besonders aufgefallen war: Sie argumentierten bei der Vorstellung bewusst mit der innerstädtischen Situation in Betzdorf. Eine solche Anlage könne helfen, Langeweile und negative Energie in etwas Positives umzuwandeln. Worte, die Bürgermeister Joachim Brenner sehr genau zur Kenntnis nahm. In einer Demokratie sei es von elemenarer Bedeutung, auch eigene Ideen einzubringen, betonte der Rathauschef Was die Pläne für Betzdorf angehe, sei bereits einiges auf dem Weg, auf jeden Fall aber sollten die Jugendlichen beteiligt werden. Das sagte sein Kirchener Kollege Andreas Hundhausen ebenso für die geplante Umgestaltung des Luna-Parks am unteren Riegel zu.
Was auch immer folgen wird: Dieser Demokratietag hat im wahrsten Sinne des Wortes Schule gemacht – von einem Modellversuch wird man bei der zweiten Auflage nicht mehr sprechen.


















