BERLIN – Leserbrief von Siegfried Kowallek anlässlich des Protestmarsches der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin
BERLIN – Leserbrief von Siegfried Kowallek anlässlich des Protestmarsches der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin
Nach der Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten (in Sachsen-Anhalt) versammelte sich die Bundestagsfraktion der SPD zu einem Protestmarsch vom Bundestag durch das Brandenburger Tor zum Bebelplatz, dem Ort der Bücherverbrennung nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Am Ende stimmte Verteidigungsminister Boris Pistorius nach einer engagierten Rede die Nationalhymne an. Richtig ist auf jeden Fall das Signal, unsere Hymne nicht der AfD zu überlassen. Gleichwohl musste ich daran denken, dass ich vor mehr als 45 Jahren im damaligen Neuwieder Haus der Jugend Ferien-Sprachunterricht für in der Deichstadt in Familien untergebrachte französische Schülerinnen und Schüler anbot.
Die Themenwahl war mir überlassen, so dass ich einmal die beiden Nationalhymnen (August Heinrich Hoffmann von Fallerslebens dritte Strophe und die Johannes-R.-Becher-Hymne der DDR) vorstellte. Die französischen Schülerinnen und Schüler waren von der Becher-Hymne begeistert und wunderten sich, dass das nicht die Hymne der Bundesrepublik, sondern der DDR war, während sie die damals nur westdeutsche Hymne nicht so sehr ansprach. Dazu passend, meint ein in Australien lebender Leserbriefschreiber in der „Süddeutschen Zeitung“, bei der Wiedervereinigung sei die Entscheidung über den Text der Nationalhymne leider zu wenig durchdacht gewesen.
Er findet, „Auferstanden aus Ruinen“, die DDR-Hymne, beschreibe haargenau die Situation Deutschlands nach 1945 und lasse sich problemlos zur westdeutschen Melodie singen. Hoffmann von Fallerslebens Text und die Becher-Hymne ließen sich zu einem verbinden. Er schlägt vor: „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt, lass uns dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland. Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand. Blüh im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Vaterland.“ Diese Neuausrichtung der Nationalhymne wird es realistischerweise leider nicht geben, aber sympathisch ist dieser Vorschlag allemal.
Die Melodie des „Deutschlandliedes“ ist natürlich keine westdeutsche Melodie, sondern war eine Auftragskomposition von Joseph Haydn als Kaiserhymne. Siegfried Kowallek, Neuwied


















