Ein verschwundenes Wegekreuz in Wissen und seine besondere Geschichte
Wissen. „Ein stimmungsvolles Plätzchen“ lautete die Überschrift eines Zeitungsartikels aus den 1930er-Jahren. Darin wurde berichtet, wie Arbeitslose und Invaliden aus der Wissener Hüttenkolonie an der Koblenzer Straße ein kleines Andachtsplätzchen am Weg nach Köttingen geschaffen hatten.

Oberhalb der Deubach stand damals ein altes Wegekreuz, wie man sie in der Region noch an vielen Stellen findet. Wind und Wetter hatten dem Kreuz im Laufe der Jahre stark zugesetzt. Männer aus der Hüttenkolonie nahmen sich seiner an und erneuerten es aus eigenem Antrieb.
Das hölzerne Kreuz erhielt einen schützenden Anstrich und wurde in einem Betonsockel befestigt. Auf ihm stand die Inschrift: „Rette deine unsterbliche Seele“. Eine Kniebank lud zum stillen Gebet ein.
Doch damit war die Arbeit noch nicht beendet. Auf derselben Wegseite schufen die Männer im angrenzenden Tannenwald eine kleine Nische mit einer Ruhebank. Von dort aus konnte man auf das erneuerte Kreuz und in die umliegende Natur blicken.
Bei den Männern dürfte es sich überwiegend um frühere Beschäftigte der Wissener Alfredhütte gehandelt haben. Manche waren arbeitslos geworden, andere konnten nach langen Jahren schwerer Arbeit nicht mehr ihrem Beruf nachgehen.
Der damalige Zeitungsbericht würdigte ihren Einsatz mit den Worten: „Man muß den Männern, die dieses stimmungsvolle Andachtsplätzchen schufen, herzliche Anerkennung zollen.“

Heute ist von dem Kreuz nichts mehr zu sehen
Das Wegekreuz stand einst am Köttinger Weg, etwa 30 Meter oberhalb der Einmündung der Einbahnstraße „In der Deubach“. Noch auf einer Landkarte aus dem Jahr 1960 ist es an dieser Stelle eingezeichnet.
Durch die spätere Bebauung hat sich das Gebiet inzwischen stark verändert. Von dem einstigen Andachtsplätzchen ist heute nichts mehr zu erkennen. Die Erinnerung daran ist jedoch durch den alten Zeitungsbericht erhalten geblieben.
Text und Recherche: Bernhard Theis
Quelle: Historischer Zeitungsbericht aus den 1930er-Jahren, bearbeitet von Bernhard Theis.
















