RHEINLAND-PFALZ – Der Kampf mit der Waage

RHEINLAND-PFALZ – Der Kampf mit der Waage

Hilfe meine Tochter nimmt die Abnehmspritze und zahlt 300 Euro pro Monat. Ich bin ganz schön erschrocken, denn ich kenne den Frust und den Ärger, den diese Wundermittel verursachen aus eigener Erfahrung. Ich war schon ein dickes Kind. Meine Mutter, mein Bruder und meine Tante waren stark übergewichtig. Als Teenager habe ich angefangen mit Diäten. Ich habe sie alle durch. Mal 10 Pfund abgenommen und wieder drauf. Früher hat das auch geklappt. Bei der Hochzeit trug ich Größe 38. Später war es 36 und 100 Pfund. Vier Schwangerschaften dahinter und jenseits der 40 stieg mein Gewicht trotz ständiger Diäten und Sport.

Mit 50 habe ich die Waage abgeschafft. Den Frust war ich leid. Ich trug Größe 42/44 und war mit meinen inzwischen 80 Kg zufrieden. Nee, nicht wirklich, denn manchmal ging die Jeans nicht gut zu. Das war für mich das Zeichen, dass ich zu den 79 Kg wieder zurück musste. Meine Kleidergröße konnte ich 25 Jahre verteidigen. Dann kam mit dem Alter die Arthrose und ich hätte es besser gehabt, wenn mein Gewicht niedriger gewesen wäre. Die Schmerzen beim Gehen waren unerträglich. Ich habe viel rumgesessen und zugenommen. Hoher Blutdruck und Diabetes kamen dazu. Ich habe mit Kollagen angefangen. Ich wurde beweglicher und nahm plötzlich 4 Kilo ab. Aber nur die 4 Kilo und nicht mehr. Egal was ich machte, das Gewicht blieb. Letztes Jahr bekam ich einen Pfleggrad und damit stand mir eine Reha zu. Ich fuhr im August nach Bad Füssing in die Johannesbadklinik. Man hat mir viel unnützen Kram aufs Auge gedrückt und Wesentliches nicht verordnet. Ich habe Sport ohne Ende gemacht, vor allem im Thermalwasser und die Waage zeigt 2 Kilo mehr an. Schlimmer noch war es bei der Blutuntersuchung, mein Zucker war auch noch von 6,2 auf 6,6 gestiegen. Diese Reha war für die Katz. Aber mein Wille wieder auf mein Ausgangsgewicht zu kommen war ungebrochen. Die Frau Doktor verordnete mir 1.200 Kalorien pro Tag, was natürlich schlecht einzuhalten war und zusätzlich Ozempic. Das Mittel gilt zwar nicht als Abnehmspritze, hat aber den gleichen Wirkstoff. Hatte mir meine Frau Doktor doch in der Vergangenheit erzählt, dass sie die Spritze nicht nehmen würde, erlebte ich nun auch warum. Mit gemischten Gefühlen ging ich zur Apotheke. Der Apotheker allerdings, hatte nur lobende Eigenschaften für das Medikament. Dann begann ich jeden Dienstag mir eine Portion in Arm, Bein oder Bauch zu spritzen. Die Hoffnung, dass ich bald wieder Größe 36 tragen würde, schwand. So richtig locker wurde die Kleidung erst mal nicht. Da die Spritze durch das verminderte Hungergefühl und die spärliche Nahrungszufuhr ein Kaloriendefizit erzeugt nahm ich 1 Kilo pro Monat ab. Das war jeden Dienstag auf der Waage gerade mal 250 Gramm. Wenn meine Zuckerwerte dabei nicht relevant gesunken wären, hätte ich ganz schnell das Handtuch geschmissen, denn die Nebenwirkungen wie Verstopfung und Übelkeit waren nicht ohne. Die Spritze lähmt nicht nur den Magen, sondern auch den Darm. Einen Blähbauch zu haben ist nicht prickelnd. Die Monate vergingen und nach vier Monaten war mein Zuckerwert bei 5,7 und meine Hosen zu weit. Aber mein Gewicht stagnierte trotz erhöhter Dosis. Ich musste also, um weiter abzunehmen wieder ins Kaloriendefizit kommen. Ich arbeitete im Garten, ging zu Fuß zum Einkaufen und ließ schon mal eine Mahlzeit aus. Hatte ich montags eine erfreuliche Zahl auf der Waage gesehen, war sie nach dem Wochenende wieder verschwunden und 2 Kilo drauf. Ja ich hatte zu viel gegessen, denn irgendwann lässt das Hungergefühl nach und man brauch wieder eine höhere Dosis. Da ich das Medikament wegen meines Blutzuckers bekommen hatte, wollte ich die höhere Dosis vermeiden, um nicht letztendlich in eine Abhängigkeit zu kommen. Bin dann auch bei der geringen Dosis geblieben und trotzdem auf dem Blutzuckerwert von 5,7.

Die Notwendigkeit weiter abzunehmen ist bei einem BMI von 26 in meinem Alter nicht unbedingt erstrebenswert. Und die ärztliche Verordnung für Ozempic bei der Krankenkasse für meine Ärztin auch nicht. Nun heißt es für mich, meine guten Werte zu erhalten. Ob ich das schaffe, weiß ich nicht. Als Fazit von diesem Jahr würde ich sagen, es war hart. Durchschnittlich habe ich mit der Spritze, die viel Geld kostet, wenn man sie privat bezahlen muss, ein Kilo pro Monat abgenommen. Wobei ich noch nicht weiß, wieviel davon im nächsten Jahr wieder drauf ist. Es gibt bestimmt bessere Lösungen, die weniger ärgerlich und deprimierend sind. Und im Endeffekt hatte die Doktorin recht. Ich würde die Spritze wegen des Abnehmens allein nicht nehmen. (mabe) – Foto: Marlies Becker

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