ALTENKIRCHEN. Die Eröffnung des „Haus des Döners“ war ganz Großes.

ALTENKIRCHEN. Die Eröffnung des „Haus des Döners“ war ganz Großes.

Der Ziegelweg war durch ein Absperrband geteilt, vor dem Haus warteten rund 300 Schülerinnen und Schüler. „Wir haben die fünfte und sechste Stunde geschwänzt, damit wir um 12 Uhr hier sein konnten“, so der Originalton von drei Jungs aus dem Gymnasium. Die Eröffnung des Haus des Döners war ganz Großes.

Pünktlich um 14 Uhr ging es los. Ordner ließen jeweils Dreier- und Fünfergruppen rein. Die fleißigen sechs Männer hinter dem Tresen hatten alle Hände voll zu tun. „So etwas hat Altenkirchen noch nicht gesehen; hoffentlich halten sie sich“, äußerte eine besorgte Anwohnerin. Das Haus des Döners weiß genau, was man machen muss, um erfolgreich zu sein. In sieben Jahren wurde aus der ersten Filiale in Köln-Hürth ein Imperium von über 250 Betrieben im gesamten Rheinland.

Man muss die Jugend begeistern, so das Motto der erfahrenen Geschäftsleute, die mit Begeisterung zur Arbeit gehen. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Fred Jüngerich war einer der ersten und kam natürlich nicht mit leeren Händen. Er überreichte einen Bildband und wünschte Glück und Erfolg.

Die Schlange an Jugendlichen stand bis zur Pestalozzi Grundschule, alles gut organisiert durch freiwillige Helfer und Ordner. „Wir wussten, was auf uns zukommt“, so einer der Männer mit breiten Schultern. Einer der Anwohner meinte, er wohne seit 25 Jahren in der Nähe, aber so etwas habe er noch nicht erlebt. Und jeder der Jugendlichen, ob Junge oder Mädchen erklärten, dass es gut schmecke. Mevlüt Kirdemir, der Gründer des Unternehmens, ein bescheidener Mann mit großer Statur und einer besonderen Aura. Der Name Mevlüt bedeutet Geburtstag oder Geburt. Eine ältere Muslimin liest am frühen Nachmittag im Koran, während weiter Fünfer- und Dreiergruppen reingelassen werden. Gegen 16 Uhr ertönt das Signal der Pestalozzi, wonach ein weiterer Schwung Kinder dazukommt. Er liegt eine ganz besondere Atmosphäre in der Luft, etwas Magisches.

Das Dönerfleisch habe Abmessungen, wie er sie noch nie gesehen habe, so ein weiterer Beobachter des Geschehens. Was macht die Faszination des Döners aus? Der normale Mensch liebe Fleisch, bemerkte eine Mutter mit drei Kindern. Und Muslime servieren Rind-, Kalb- und Hühnerfleisch, verzichten auf Schwein, weil es nach ihrem Glauben unrein ist. Das Schwein ist ein Allesfresser, und der übermäßige Genuss rufe Krankheiten hervor, so ein Heilpraktiker, den wir vor Ort sprachen. Bekanntlich gibt es auch Schweine, die in langer Züchtung von sechs bis sieben Jahren mit speziellem Futter großgezogen werden. Aber Kilopreise von 60 bis 80 Euro können sich nur wenige leisten. Das nur am Rande.

Nach den ersten beiden Stunden gingen bereits 700 Döner über die Theke, jeweils zu einem Cent. Bis nach 22 Uhr war geöffnet. Dass sich dieses Geschäft in der Kreisstadt etablieren wird, ist keine Frage. Erstaunlich die Aussage eines Mitarbeiters, der kürzlich eine Eröffnung in Limburg miterlebt hat. Die Domstadt hat 35.938 Einwohner. Kaum was los, seine Aussage. Altenkirchen hat 6.758 Einwohner. Altenkirchen wird oftmals als die Stadt verrufen, in der nichts los sei, so die Nörgler. Aber der 18. Juni bewies, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Gegen Abend setzten die Hupkonzerte der vorbeifahrenden Autos ein. Altenkirchen sei ein Dreh- und Angelpunkt, so ein Anwohner, der seit über 60 Jahren hier beheimatet ist. (Werner Klak) Fotos: Werner Klak

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