ALTENKIRCHEN – „Dialog ist das Wichtigste“ – Oguz Alkan engagiert sich ehrenamtlich für Integration und kulturellen Austausch

ALTENKIRCHEN – „Dialog ist das Wichtigste“ – Oguz Alkan engagiert sich ehrenamtlich für Integration und kulturellen Austausch

„Das ist Physik: Wenn ein Teil ein anderes mit Energie anstößt, dann bewegt sich das zweite auch nach vorne.“ Oguz Alkan, studierter Mathematik- und Naturwissenschaftslehrer, erklärt sein Engagement als Ehrenamtlicher mit diesem Domino-Bild. So sieht er es: Wenn er andere Menschen im Sprachtreff ermutigt, wenn er ihnen einen kleinen Anstoß mitgibt, dann haben sie es ein wenig leichter auf dem Weg zur Integration.

Und Sprache ist für den gebürtigen Türken unerlässlich. „Dialog ist das Wichtigste“, sagt er. Und für neu Zugewanderte sei die Sprachbarriere die höchste. Deshalb koordiniert Oguz Alkan gemeinsam mit Michael Schäfer und Stephanie Neuhaus, der Integrationsbeauftragten der Aktion Neue Nachbarn, einen Kreis von Ehrenamtlichen, die für jeden ersten und dritten Samstag im Monat in den katholischen Pfarrsaal in Altenkirchen einladen.

„Manchmal sprechen wir über ein spezielles Thema, manchmal haben wir ein paar Übungsblätter dabei“, erzählt Alkan. „Die Hauptsache aber ist, dass wir einfach auf Deutsch reden, denn wenn das Gelernte aus den Sprachkursen nicht benutzt wird, wird es nicht im Kopf bleiben.“

Bei jedem Sprachtreff-Termin teilt Michael Schäfer Namensschilder aus für alle, die mitmachen. „Das ist ein kleines Ritual, das so viel ausmacht“, weiß Stephanie Neuhaus. „Damit fühlen sich Neulinge sofort willkommen.“ Sehr dankbar ist die Integrationsbeauftragte dafür, dass sich neben Schäfer auch Oguz Alkan so intensiv einbringt. „Gemeinsam mit ihm, der auch Vorbild ist, kann ich die Menschen besser erreichen.“ Denn die Geschichte von Oguz Alkan macht Mut.

Erst vor vier Jahren kam er in Deutschland an. Doch der Lehrer aus Berufung, wie er selbst von sich erzählt, hat schon im ersten Camp, kurz nach seiner Ankunft, nach Betätigung gesucht. Und sich als Mathematiklehrer in der benachbarten Offenen Ganztagsschule eingebracht. Viel Fleiß hat er in die deutsche Sprache investiert, vor mehr als einem Jahr schließlich mit dem Zertifikat „C1“ eine hohe Hürde genommen. Längst arbeitet er selbst als Lehrer und Integrationshelfer. Das zusätzliche Ehrenamt ist für ihn auch ein Dankeschön. „Deutschland hat mir eine Tür geöffnet“, sagt er. Und es hat ihn beeindruckt, wie die Aktion Neue Nachbarn zum Beispiel mit ihrer interkulturellen Nikolausfeier christliche Bräuche für Außenstehende erklärt hat. „Ich hatte viele Fragen im Kopf, die dadurch beantwortet wurden.“ Ihn fasziniert der Austausch zwischen den Kulturen „egal welcher Religion, Herkunft oder Hautfarbe“.

Und so beteiligt sich Alkan inzwischen selbst an der Vorbereitung zum gemeinsamen Fastenbrechen im Ramadan– dem Iftar – oder am Pfarrfest, das am 28. Juli stattfinden wird. Dort bereitet er mit anderen Freiwilligen „Noahs Pudding“ zu, auch als Symbol. Denn der Überlieferung nach landete in dieser Süßspeise alles, was der biblische Noah einst beim Anlanden nach seiner Reise noch an Essbarem fand. Bohnen, Granatapfel-Kerne, Rosinen, Nüsse: Oguz Alkan erklärt das so: „Die unterschiedlichen Zutaten passen auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammen, ergeben aber gemeinsam etwas Besonderes und Harmonisches. Für mich ist das auch ein schönes Bild für unsere Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur zusammenkommen und etwas Wertvolles entstehen lassen.“

Der Sprachtreff findet an jedem ersten und dritten Samstag im Monat von 11 bis 13 Uhr im Pfarrsaal der katholischen Kirche Altenkirchen, Rathausstraße 9, statt. Informationen erteilt Stephanie Neuhaus unter 0170 5553683 .

Foto: Stephanie Neuhaus im Gespräch mit Oguz Alkan.

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