RHEINLAND-PFALZ – Arbeitsschutz in der Paketzustellung darf nicht länger ausgelagert werden
RHEINLAND-PFALZ – Arbeitsschutz in der Paketzustellung darf nicht länger ausgelagert werden
Ein Paketzusteller musste in Idar-Oberstein von der Feuerwehr aus seinem Transporter befreit werden, weil er das Fahrzeug nicht mehr selbst verlassen konnte. Was zunächst wie ein kurioser Zwischenfall wirken mag, zeigt in Wahrheit die harte Realität in der Paketzustellung. Der Vorfall steht beispielhaft für Arbeitsbedingungen, die von Zeitdruck, Alleinarbeit und ausgelagerter Verantwortung geprägt sind. Nach Medienberichten war der betroffene Fahrer für einen Subunternehmer von DPD im Einsatz.
Solche Fälle sind keine Randnotiz. Sie machen sichtbar, wie riskant der Arbeitsalltag in einer Branche ist, in der große Unternehmen die Zustellung über Subunternehmer organisieren. ver.di fordert seit Langem, Subunternehmerketten in der Paketzustellung zu beenden und die Zustellung im Kernbereich nur noch mit direkt angestellten Beschäftigten zu organisieren. Das bestätigt unter anderem das Gutachten des Hugo-Sinzheimer-Instituts, das zu dem Schluss kommt, dass ein Direktanstellungsgebot die wirksamste Antwort auf gravierende Missstände in der Branche ist.
„Die Paketbranche ist längst zu einem Beispiel dafür geworden, was passiert, wenn Wettbewerb fast nur noch über Kosten organisiert wird. Am Ende zahlen die Beschäftigten den Preis, mit ihrer Gesundheit, mit unsicheren Arbeitsbedingungen und mit deutlich geringeren Möglichkeiten, sich wirksam zu wehren“, sagt Tanja Lauer, ver.di Landesbezirksfachbereichsleiterin Postdienste, Speditionen und Logistik.
DPD setzt in der Zustellung ausschließlich auf Subunternehmer. Gerade in diesen ausgelagerten Strukturen sind betriebliche Mitbestimmung und Tarifbindung besonders schwach ausgeprägt und fehlen oft ganz. In kleinen, wirtschaftlich stark abhängigen Subunternehmen ist der Druck auf die Beschäftigten besonders hoch. Das erschwert es vielen, ihre Rechte tatsächlich wahrzunehmen, Missstände offen anzusprechen oder sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Verantwortung und Risiken werden so systematisch nach unten weitergereicht.
Hinzu kommt die körperliche Belastung durch schwere Pakete. ver.di fordert eine echte 20-Kilogramm-Grenze in der Ein-Personen-Zustellung. Pakete über 20 Kilogramm müssen grundsätzlich in Zwei-Personen-Zustellung ausgeliefert werden. Diese Forderung hat ver.di in offiziellen Stellungnahmen und aktuellen Veröffentlichungen wiederholt bekräftigt.
Der Vorfall in Idar-Oberstein zeigt, dass Politik und Unternehmen beim Schutz der Beschäftigten weiter handeln müssen. ver.di fordert ein Ende des Subunternehmertums in der Zustellung, verbindliche Schutzstandards und eine konsequente Umsetzung der Zwei-Personen-Zustellung bei schweren Paketen. Wer tagtäglich Versorgung organisiert, darf nicht mit seiner Gesundheit für ein Geschäftsmodell bezahlen, das Verantwortung systematisch auslagert.
















