SIMMERN – Empfang setzt starkes Zeichen für Versorgung von Menschen mit erworbener Hirnschädigung
SIMMERN – Empfang setzt starkes Zeichen für Versorgung von Menschen mit erworbener Hirnschädigung – Projekt Particura feiert dreijähriges Bestehen
Mit einem Empfang in der Westerwaldgemeinde Simmern hat die Dienstleistung Particura ihr dreijähriges Bestehen gefeiert. Im Haus Sonnenblick in Simmern (Westerwald) bietet Particura seit 2023 ein einzigartiges, verzahntes Angebot für erwachsene Menschen, die durch ein hirnschädigendes Ereignis unter körperlichen, kognitiven und psychischen Einschränkungen leiden und einen hohen Pflegebedarf haben. Ursachen können Schlaganfälle, Schädel-Hirn-Traumata oder neurodegenerative Erkrankungen sein. Getragen wird das wegweisende Projekt von der Stiftung Scheuern Nassau und der Stiftung Diakoniewerk Friedenwarte Bad Ems.
Die Arbeit des Particura-Teams baut auf Erkenntnissen einer wissenschaftlichen Begleitung auf. „Menschen brauchen Fürsorge, Pflege und Teilhabe am sozialen Leben“, brachte Oliver Eggert aus dem Vorstand der Friedenswarte die Vorzüge von Particura auf den Punkt. Zum Empfang kamen Vertreter aus Politik, Kommune, Medizin, Therapie und Rehabilitation. Auch Klienten und ihre Angehörigen, die seit der Pilotphase von Particura dem interdisziplinären Team ihr Vertrauen geschenkt haben, waren zugegen. Für diesen Mut dankten ihnen die Projektleiterinnen Karin Quirmbach und Isabel Hoffmann.
Das Versorgungssystem von Menschen mit erworbener Hirnschädigung wird häufig von Brüchen, Zuständigkeitswechseln und fehlender Spezialisierung geprägt. Genau hier setzt das gemeinsame Projekt der Stiftungen Scheuern und Friedenswarte an.
„Particura ist eine notwendige Spezialisierung und das Beste aus zwei Sozialgesetzbüchern von Pflege und Eingliederungshilfe, die in Zeiten von Inklusion gebraucht wird“, sagte Bernd Feix, pädagogischer Vorstand der Stiftung Scheuern. Die Förderung von Menschen dürfe nicht an den Grenzen von Versorgungssystemen Halt machten.
Die Erfahrung der dreijährigen Praxis zeigt laut Feix auf, dass ein zuverlässiger gesetzlicher Rahmen fehlt, der ein Fundament für das Zusammenspiel von bedarfsorientierter Begleitung der Menschen und finanzieller Sicherheit für Betroffene und Leistungserbringer bildet. Krankenkassen fühlten sich meist nach der ersten Reha nicht mehr zuständig. „In Zeiten knapper Kassen ist ein wirkungsvoller Einsatz von fachlichem Wissen aus Pflege und Eingliederungshilfe eine Herausforderung, aber der richtige Weg“, sagte Bernd Feix. Die Menschen werden dem Pädagogischen Vorstand der Stiftung Scheuern zufolge bislang mit ihren Bedarfen nicht gesehen. Sie seien aber darauf angewiesen, dass verlässliche Strukturen aufgebaut werden, die ihren Rechtsanspruch untermauern. Mit diesem visionären Projekt Particura setzen sich beide Träger gemeinsam für eine starke regionale Vernetzung und für ein sozialpolitische Neuausrichtung ein.
Im Mittelpunkt des Empfangs in Simmern standen die Menschen, für die Particura geschaffen wurde.
Die Projektleitungen Karin Ourimbach und Isabel Hoffmann berichteten, wie wichtig für Klienten und Angehörige ein dauerhaftes, stabiles und fachlich spezialisiertes Umfeld für ihren Alltag, ihre Orientierung und ihre persönliche Weiterentwicklung ist. Fachkräfte aus Pflege, Rehabilitation und Eingliederungshilfe betonten den besonderen Wert der interdisziplinären Zusammenarbeit: Herausforderungen wie Verhaltensänderungen, Orientierungsprobleme oder psychische Belastungen nach einer Hirnschädigung lassen sich nur gemeinsam und abgestimmt bewältigen. Gemeinsam mit dem Team von Particura wollen sie die Versorgung der Menschen weiter stärken und das Bewusstsein schärfen.
Particura bietet Menschen mit erworbener Hirnschädigung die Chance für einen Neuanfang, der für die Betroffenen möglichst frühzeitig nach dem schädigenden Ereignis einsetzten sollte. Motivation und der Mut zur Veränderung spielen eine große Rolle auf dem Weg zurück in ein selbstständiges Leben – ein wichtiges Zeitfenster für koordinierte und individuell abgestimmte Versorgungsleistungen. Foto: Carlo Rosenkranz

Foto: Das Particura-Team mit den Vorständen der Stiftung Scheuern Nassau und der Stiftung Diakoniewerk Friedenwarte Bad Ems. Stephan Wefelscheid (links), Landtagsabgeordneter und zugleich Vorsitzender der FREIE WÄHLER Stadtratsfraktion Koblenz ist von dem Projekt überzeugt, weil es Lücken im Gesundheits- und Pflegesystem schließt und Strahlkraft für die Region hat.















