Weiterhin steigende Fallzahlen bei ambulanten und stationären Maßnahmen der Jugendhilfe

KREIS NEUWIED – Projekt Qualitätsentwicklung durch Berichtswesen für den Kreisjugendamtsbezirk – Weiterhin steigende Fallzahlen bei ambulanten und stationären Maßnahmen der Jugendhilfe. Seit 2002 sind im Landkreis Neuwied die Fallzahlen im Bereich der Hilfen zur Erziehung um 68,5 Prozent gestiegen. Eine leichte Abflachung des Fallanstieges kann seit 2010 beobachtet werden. Ebenso kontinuierlich ist der Anteil der Hilfen zur Erziehung für Kinder und Jugendliche unter 21 von 16,8 Prozent im Jahre 2002 bis auf 32,5 Prozent im Jahre 2011 gestiegen. Der Anteil der Hilfen zur Erziehung ist dabei seit 2002 in den Landkreisen und kreisangehörigen Städten wesentlich stärker gestiegen als in den kreisfreien Städten: Anstieg um 109,7 Prozent in den Landkreisen gegenüber 61,4 Prozent in den kreisfreien Städten. Beim Anstieg der Hilfen zur Erziehung liegt der Landkreis Neuwied damit unter dem Durch-schnitt der Landkreise. „Dies zeigt deutlich, dass die Bemühungen auch im Ausbau von präventiven Maßnahmen und niederschwelligen Angeboten greifen und erste Erfolge zeigen, jedoch die Herausforderungen an die Jugend- und Familienhilfe bleiben“, so der 1.Kreisbeigeordnete und Jugendamtsdezernent Achim Hallerbach.

Der Jugendhilfeausschuss für den Kreisjugendamtsbezirk hatte sich mit den aktuellen Daten aus dem Projekt Qualitätsentwicklung durch Berichtswesen beschäftigt. Seit 2002 nimmt das Kreisjugendamt an dem Projekt Qualitätsentwicklung durch Berichtswesen teil. Dort werden die Falldaten insbesondere im Bereich der erzieherischen Hilfen durch das Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ISM) landesweit aus-gewertet und im Kontext mit sozio- und infrastrukturellen Einflussfaktoren betrachtet. Die aktuellen Befunde aus dem Berichtsjahr 2011 wurden durch den Geschäftsführer des ISM Mainz, Heinz Müller vorgestellt. Deutlich wurde, dass insbesondere der Anteil an ambulanten Hilfen zur Erziehung seit 2002 landesweit um 160 Prozent gestiegen ist, während sogenannte „Stationäre Hilfen“, wie die Heimunterbringung, eine Steigerungsrate von 22,2 Prozent aufwiesen. „Wir haben im Landkreis Neuwied insbesondere die ambulanten Hilfen weiter ausgebaut, während gegenüber dem Berichtsjahr 2009 mit 161 Heimunterbringungen im Jahr 2011 nur noch 127 Heimunterbringungen durch den Landkreis Neuwied finanziert werden mussten“, unterstrich Achim Hallerbach.

Im landesweiten Vergleich liegt der Landkreis Neuwied mit einem Anteil von 60,8 Prozent an den ambulanten Hilfen an siebter Stelle. Hervorgehoben wurde durch Heinz Müller, dass die Jugendämter in Rheinland-Pfalz eine kontinuierlich steigende Fallzahl in Sachen Kinderschutz aufweisen. Dabei liegt das Kreisjugendamt im landesweiten Vergleich über dem Durch-schnitt der Landkreise bei der Zahl der Notunterbringungen von Kindern bei aktuellen Gefährdungen. „Unsere Bürgerschaft ist durch umfassende Information und Aufklärung sehr aufmerksam geworden. Dadurch können vielfach kritische Situationen frühzeitig zum Wohle der Kinder und Jugendlichen aufgelöst und geklärt werden“, so Hallerbach. Bei der Bearbeitung von Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung im Jahre 2011 hat das Kreisjugendamt einen Spitzenplatz im Vergleich der Kommunen in Rheinland-Pfalz eingenommen. Dabei waren von den Meldungen insgesamt 361 Kinder alleine im Kreisjugendamtsbezirk betroffen. Hervorgehoben wurde durch Heinz Müller, dass zwischen der Zahl der Hilfen zur Erziehung und der Anzahl eingeleiteter Hilfen im Zuge einer Meldung auf Kindeswohlgefährdung ein deutlicher Zusammenhang besteht. „Bei hohen Fallzahlen im Bereich des Kinderschutzes ist in der Regel auch von einem erhöhten Aufkommen an Hilfen zur Erziehung auszugehen“, ergänzte der 1.Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach. Einen steigenden Anteil an den Hilfen zur Erziehung stellen dabei auch die Hilfen für psychisch kranke Kinder und Jugendliche dar, die ebenfalls landesweit kontinuierlich gestiegen sind.

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