Rüddel lädt zum Gesundheitsforum
ALTENKIRCHEN – Eine gute medizinische Versorgung in der Region ist unverzichtbar! – Erwin Rüddel lud zum Gesundheitsforum mit hochkarätigen Experten – „Eine gute, flächendeckende und bedarfsgerechte medizinische Versorgung auch im ländlichen Raum, unter Einbeziehung der Krankenhäuser, muss für die Zukunft weiterhin gewährleistet sein.“ Das kann als Fazit des 14. „Forum ländlicher Raum“ des CDU-Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel gezogen werden. Der konnte im Hotel Glockenspitze in der Kreisstadt vor mehr als 100 Besucherinnen und Besucher, als Podiumsteilnehmer Spitzenexperten des Gesundheitswesens begrüßen.
Dabei waren Georg Baum (Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft), Bernd Decker (Geschäftsführer der DRK Krankenhaus GmbH Rheinland-Pfalz), Dr. med. Sigrid Ultes-Kaiser (Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz), Dr. med. Klaus Kohlhas (Obmann der Kreisärzteschaft Altenkirchen), Stefan Groh (Leiter regionales Vertragswesen der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz), sowie Landrat Michael Lieber und CDU-Landtagsabgeordneter Dr. Peter Enders (Vorsitzender des Sozialausschusses im Landtag).
Im eigentlichen Ziel waren sich generell alle einig, allein die Wege dahin standen nicht zuletzt aufgrund unterschiedlicher Betrachtungsweisen in der Diskussion. Erwin Rüddel, der sich in Berlin einen Namen als Gesundheitspolitiker verschafft hat, erwähnte eingangs die sich schon in naher Zukunft ergebende ärztliche Situation auf dem Land: Allein in den nächsten zehn Jahren gingen 80 Prozent der Hausärzte in Rente. Inzwischen seien 70 Prozent aller Medizinstudenten Frauen, die auch aufgrund Familienplanung überwiegend Teilzeitstellen anstrebten. Zudem könnten sich rund 75 Prozent angehender Mediziner gar nicht vorstellen, sich niederzulassen.
Auch die Zulassungsbestimmungen für das Medizinstudium müssten überdacht und gegebenenfalls reformiert werden. Schließlich entscheide letztendlich nicht der Numerus clausus bzw. eine Abiturnote von 1,0 oder knapp mehr über die Qualität einer Ärztin oder eines Arztes. „Wir brauchen keine Medizinstudenten, die ihre Professoren zufrieden stellen, sondern wir brauchen ärztliche Nachwuchskräfte, die sich den Arbeitsalltag in ländlichen Regionen vorstellen können“, wurde bekräftigt.
„Es muss darauf hingewirkt werden, dass die Vorstellungen von Medizinern und Patienten aufeinander abgestimmt und angepasst werden, damit auch der ländliche Raum in der medizinischen Versorgung noch eine Zukunft hat“, erklärte Rüddel. Eine Lösung dieses Problems ist für Stefan Groh von der Techniker Krankenkasse eine Bedarfsplanung über Sektorengrenzen hinaus: „Qualität ist wichtiger als Wohnortnähe und die Aufhebung starrer Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Behandlung dringend erforderlich.“ Zudem sei über den Einsatz neuer Medien und die Telemedizin als Baustein für die Zukunft nachzudenken. „Die stetig wachsenden bürokratischen Hürden stellen für die niedergelassenen Ärzte ein zusätzliches Problem dar. Die bislang geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen engen die Freiberuflichkeit niedergelassener Ärzte ein. Zudem sei die Bedarfsplanung ein sehr unangenehmer Punkt“, kritisierte die Vorstandsvorsitzende der KV Rheinland-Pfalz, Sigrid Ultes-Kaiser.
Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, betonte, dass rund 40 Prozent der deutschen Kliniken rote Zahlen schreiben. Hier erwartete er, dass die Länder gegenüber den Krankenhäusern ihren Investitionspflichten im vollen Umfang nachkommen. Eine Gegenfinanzierung der gestiegenen Betriebskosten erwarte er hingegen vom Bund. „Wir brauchen zudem dringend Regelungen zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten“, befand Baum, der dabei seine Hoffnung auf ein in Vorbereitung befindliches neues Bundesgesetz äußerte.
Klaus Kohlhas, Obmann der Kreisärzteschaft, unterstrich, dass ein fachlicher Austausch zwischen niedergelassenen Ärzten und Fachärzten dringend erforderlich sei. „Wir brauchen für und in der Region auch zukünftig eine Versorgungssicherheit für 24 Stunden täglich“, betonte Kohlhas. Dies auch unter dem Aspekt der Grundversorgung durch den Erhalt der DRK-Krankenhäuser in Altenkirchen, Hachenburg und Kirchen. Dazu hatte vorher der zuständige Geschäftsführer der DRK-Krankenhausgesellschaft RLP, Bernd Decker, Stellung bezogen.
Landrat Michael Lieber befand: „Gesundheitsversorgung ist Infrastruktur und Verfassungsauftrag.“ Er verwies dabei auf die Gleichheit der Lebensbedingungen in Regionen und Ballungsräumen. Das sei ein Muss. „Für uns ist die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum überlebenswichtig“, stellte Lieber fest. Der Vorsitzende des Sozialausschusses im Landtag, Dr. Peter Enders, äußerte, dass es Synergieeffekte in den DRK-Kliniken Neuwied, Asbach, Altenkirchen und Hachenburg zu nutzen gelte.
Im gleichen Zusammenhang erwähnte der MdL einen Investitionsstau von 500 Millionen Euro in rheinland-pfälzischen Krankenhäusern. Hier stelle die rot-grüne rheinland-pfälzische Landesregierung aber nur 120 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Zudem gelte es dem drohenden Hausärztemangel mit einer Steigerung der Wertschätzung der Allgemeinmedizin zu begegnen, auch indem man Ärzte von einer Tätigkeit auf dem Land überzeuge.
In einer anschließenden Diskussion wurden zahlreiche Beiträge aus dem Publikum gehört und erörtert. Dabei kamen, gerade auch von anwesenden niedergelassenen Ärzte, konkrete Probleme zur Sprache. Ein Kritikpunkt war, dass sich statt deutscher Ärzte immer mehr ausländische und noch nicht der deutschen Sprache mächtige Mediziner niederlassen. „Auch das führt zu weiteren einschneidenden Missverständnissen“, hieß es. (rf) Fotos: Rewa (3)