Cyberangriffe auf Kühlanlagen: Auch zwei Betriebe in Rheinland-Pfalz betroffen
Rheinland-Pfalz. In der Westpfalz sind offenbar zwei Unternehmen Ziel von Cyberangriffen auf ihre Kühlanlagen geworden. Betroffen sind ein lebensmittelverarbeitender Betrieb und ein Supermarkt in den Landkreisen Kaiserslautern und Kusel. Die Polizei ermittelt und prüft, ob ein Zusammenhang mit ähnlichen Vorfällen in Frankreich besteht.
Nach bisherigen Erkenntnissen wurden die Kühlanlagen in der Nacht zum Montag (2. November) über einen Fernzugriff manipuliert. Statt Lebensmittel zu kühlen, wechselten die Anlagen in den Heizbetrieb. Wie hoch der entstandene Schaden ist, steht derzeit noch nicht fest.
Das Polizeipräsidium Westpfalz macht mit Blick auf die laufenden Ermittlungen keine weiteren Angaben zu den betroffenen Unternehmen oder zum genauen Ablauf der Angriffe.
Ähnliche Vorfälle in mehreren europäischen Ländern
Bereits im Oktober waren in Frankreich die Kühlsysteme Hunderter Supermärkte Ziel von Cyberangriffen geworden. Durch manipulierte Steuerungen stiegen die Temperaturen in den Anlagen stark an. Zahlreiche Lebensmittel mussten daraufhin entsorgt werden.
Anfang November wurden weitere Angriffe auf Kühlanlagen unter anderem aus Belgien, Schweden, Irland und den Niederlanden bekannt. Auch in Deutschland sind inzwischen Supermärkte in Nordrhein-Westfalen und Bayern betroffen. Dort mussten ebenfalls große Mengen gekühlter und tiefgekühlter Lebensmittel entsorgt werden.
Ob die verschiedenen Vorfälle miteinander zusammenhängen, ist bislang nicht geklärt. Auch ist nicht bestätigt, dass überall dieselbe technische Schwachstelle ausgenutzt wurde.
Fernzugriffe als mögliches Sicherheitsrisiko
Viele gewerbliche Kühlanlagen lassen sich über das Internet überwachen und warten. Dadurch können Fachfirmen beispielsweise Temperaturen kontrollieren oder technische Einstellungen aus der Ferne verändern. Sind solche Zugänge unzureichend geschützt, können sie auch von Unbefugten missbraucht werden.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte bereits nach den Angriffen in Frankreich im Oktober auf entsprechende Risiken hingewiesen. Die Behörde empfiehlt unter anderem, direkte Internetzugriffe auf Steuerungsanlagen zu verhindern, Fernzugänge über geschützte Verbindungen und eine zusätzliche Anmeldung abzusichern sowie Sicherheitsupdates zeitnah einzuspielen.
Das Thema betrifft grundsätzlich auch Lebensmittelbetriebe und Supermärkte in unserer Region, sofern sie vergleichbare vernetzte Technik einsetzen. Für die Landkreise Altenkirchen, Neuwied und Westerwald liegen bislang keine bestätigten Meldungen über entsprechende Angriffe vor.
Die Ermittlungen zu den beiden Vorfällen in der Westpfalz dauern an.
Quelle
Polizeipräsidium Westpfalz; ergänzende Informationen: ARD-aktuell, WDR, Bayerischer Rundfunk und Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.
















