Niedrigwasser an Rhein, Sieg und Wied: Trockenheit belastet Flüsse und Tierwelt

Region. Das zu Ende gehende Wasserjahr 2025/2026 war in Deutschland von außergewöhnlich niedrigen Wasserständen geprägt. Eine aktuelle Auswertung des Science Media Centers zeigt, dass zahlreiche Flüsse über Monate deutlich weniger Wasser führten als üblich. Besonders betroffen war auch das Rheingebiet. Die Folgen reichen von Einschränkungen für die Schifffahrt bis zu Problemen für Fische und andere Wasserlebewesen.

Wie ungewöhnlich die Situation ist, zeigen die Zahlen für September: Im Rheingebiet wurden rund 54 Prozent der ausgewerteten Abflusswerte als sehr niedrig oder extrem niedrig eingestuft. Im Durchschnitt der fünf vorangegangenen Wasserjahre waren es lediglich rund sieben Prozent.

Rhein weiterhin mit niedrigem Wasserstand

Auch Ende Oktober bleibt der Wasserstand des Rheins niedrig. Am frühen Donnerstagmorgen (29. Oktober) zeigte der amtliche Pegel in Kaub am Mittelrhein 59 Zentimeter. Damit lag er weiterhin unter dem dortigen mittleren Niedrigwasserstand von 65 Zentimetern.

Wie lange die Trockenheit bereits anhält, verdeutlichen die Messungen am Pegel Andernach. Dort erfasste das Niedrigwassermonitoring bis zum 22. Oktober eine Niedrigwasserphase von 120 Tagen.

Für die Schifffahrt hat die Situation erhebliche Folgen. Frachtschiffe können bei niedrigen Wasserständen weniger Ladung transportieren. Ende September waren auf dem besonders betroffenen Mittelrheinabschnitt zwischen Mainz und St. Goar nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt nur noch vereinzelt Güterschiffe unterwegs.

Die Pegelwerte beschreiben dabei nicht die tatsächliche Wassertiefe des Flusses, sondern den Wasserstand gegenüber einem festgelegten Messpunkt.

Niedrigwasser am Rhein bei Koblenz: Boote liegen teilweise auf trockenem Grund. (Foto: Choinowski / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Auch Sieg und Wied von der Trockenheit betroffen

Nicht nur der Rhein leidet unter der Trockenheit. Bereits im Sommer machten sich die niedrigen Wasserstände auch an kleineren Flüssen und Bächen in der Region bemerkbar. Im Landkreis Altenkirchen waren unter anderem Sieg, Wied und Nister betroffen.

Ende Juli schränkte die Kreisverwaltung Altenkirchen die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern durch eine Allgemeinverfügung ein. Im Kreis Neuwied folgte am 18. August ebenfalls ein Verbot, das bis auf Widerruf angeordnet wurde. Die Maßnahmen sollten verhindern, dass den ohnehin belasteten Gewässern zusätzlich Wasser entzogen wird.

Für die Tierwelt kann anhaltendes Niedrigwasser erhebliche Folgen haben. Flaches Wasser erwärmt sich schneller und kann bei höheren Temperaturen weniger Sauerstoff aufnehmen. Besonders empfindlich reagieren Fischarten, die auf kühles und sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind.

Auch die Wanderung zu den Laichgebieten kann durch niedrige Wasserstände erschwert werden. An der Sieg gab es Anfang Oktober dennoch eine erfreuliche Beobachtung: Am Wehr in Sankt Augustin-Buisdorf wurden die ersten zurückkehrenden Lachse gesichtet. Männliche und weibliche Tiere versuchten, das Hindernis mit einem Sprung zu überwinden. Der Rheinische Fischereiverband hofft auf Regen und steigende Abflüsse, damit weitere Lachse den Weg flussaufwärts finden können.

Kann sich die Lage im Winter erholen?

Die Ursachen für die niedrigen Wasserstände reichen bis in das vergangene Winterhalbjahr zurück. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt Rheinland-Pfalz war das hydrologische Winterhalbjahr 2025/2026 insgesamt zu trocken. Fünf der sechs Monate verzeichneten weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel.

Normalerweise beginnt im Herbst und Winter die Zeit, in der sich Böden und Grundwasserspeicher wieder auffüllen. Ob die Defizite dieses Jahres ausgeglichen werden können, hängt wesentlich von den Niederschlägen der kommenden Monate ab.

Einige Regentage reichen dafür nicht unbedingt aus. Fachleute weisen darauf hin, dass länger anhaltende und ergiebige Niederschläge notwendig sein können, damit sich die Wasservorräte nachhaltig erholen.

Quellen und Bildnachweis

Quellen: Science Media Center, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz, Kreisverwaltungen Altenkirchen und Neuwied, Rheinischer Fischereiverband.

Bildnachweis: Choinowski / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Bild zugeschnitten. Aufnahme vom 23. September 2026.

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