ALTENKIRCHEN – Überraschungspotenzial des Instruments des Jahres

ALTENKIRCHEN – Überraschungspotenzial des Instruments des Jahres – Vielfalt des Akkordeons brachte Konzertkirche in Altenkirchen zum Klingen

Altenkirchen. Das Akkordeon wurde für das Jahr 2026 von den Landesmusikräten in Deutschland zum „Instrument des Jahres“ ernannt. Aus diesem Anlass und im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz fand am vergangenen Freitag ein besonderes Konzert in der Konzertkirche Altenkirchen statt. Das zahlreich erschienene Publikum war überrascht, nicht den üblichen in Reihen bestuhlten Kirchenraum vorzufinden. Vielmehr fanden sich im Raum verteilte Notenpulte und Stühle und dazwischen ausgewiesene Stuhlgruppen, auf denen die Besucher eine ganz neue Perspektive auf den Kirchenraum und die im ganzen Raum stattfindende Musik gewinnen konnten.

„ZUGumZUG“ heisst das Projekt, das die international renommierte Westerwälder Akkordeonistin Eva Zöllner gemeinsam mit ihrer Kollegin Ute Völker und fünf weiteren Musikern aus ganz Deutschland initiiert hat, und mit dem sie im Moment auf Tournee sind. Es gehe darum, so Zöllner in ihrer Begrüßung, möglichst viele Akkordeons gemeinsam auf die Bühne zu bringen, deren Klangpotential zu erkunden und außerdem die verschiedenen musikalischen Welten, in denen das Akkordeon verwurzelt ist, zusammen zu bringen. Daher trifft das Septett aus Profi-Musikern an jedem Konzertort auf ein Amateur-Akkordeon-Orchester.

In Altenkirchen ist das Akkordeon seit Jahrzehnten ein sehr präsentes Instrument, nicht zuletzt aufgrund der Aktivitäten der Kreismusikschule und ihres Akkordeonlehrers Michael Wagner. Dieser war gleich mit zwei Schülergruppen mit von der Partie. Zu Beginn des Abends erlebte das Publikum ein Stück für 17 Akkordeons, das speziell für dieses Projekt vom Komponisten Osvaldo Budón (Uruguay) komponiert wurde: in kleinen Gruppen ließen jugendliche und erwachsene Akkordeonspieler kurze Ausschnitte bekannter Akkordeon-Melodien von Schneewalzer bis zum Loreley-Lied erklingen.

Im Anschluss zog das Akkordeonquartett der Kreismusikschule – bestehend aus den Schülerinnen Mara Kann, Liesbeth Telke, Jenny Bergstresser und Lina Pieritz – das Publikum in seinen Bann. Mit offensichtlicher Spielfreude, charmanten Texteinwürfen und keiner Furcht vor experimentellen Spieltechniken erzählten die Schülerinnen und Schüler die Geschichte vom „Ritter mit ohne Furcht“ komponiert von Chris Sandner. Der selbstbewusste Auftritt der zwölf- bis 16-jährigen Mädchen wurde mit langanhaltendem Applaus belohnt.

Das Akkordeon-Ensemble der Kreismusikschule besteht überwiegend aus erwachsenen Musikern, die teilweise schon über 30 Jahre mit dem Ensemble verbunden sind. Sie boten im Anschluss zunächst eine anspruchsvolle Komposition von Wolfgang Ruß-Plötz zum Besten, in der sie rhythmische Finessen und die dynamische Bandbreite des Akkordeons in der Akustik der Kirche voll ausschöpfen konnten. Beim anschließenden Medley „Schwäbische Skizzen“ von Hans Rauch kamen auch solche Zuhörer auf ihre Kosten, die eher traditionellere Akkordeonmusik erwartet hatten, und man konnte hier und dort jemanden mitsummen hören.

Das Finale des Abends bildete das Akkordeonseptett – Annette Rießner, Florian Stadler, Katharina Koenig, Susanne Stock, Ute Völker, Vojta Drnek und Eva Zöllner. In einer energiegeladenen Improvisation schickten das Ensemble Cluster durch den Raum, fanden sich zu kleinen Duetten im Publikum zusammen, die fast choreografischen Charakter hatten, erzeugten faszinierende Texturen und bewegten sich mit überraschenden Klangfolgen durch den Raum.

So wurde die Konzert-Performance „ZUGumZUG“ zu einem gelungenen Akkordeon-Fest und zeigte anschaulich, was in dem Instrument steckt und wie es Menschen verschiedenster Altersgruppen begeistern kann.

Foto: Die unglaubliche Vielfalt des Akkordeons erlebte das Publikum jetzt bei der Konzert-Performance „ZUGumZUG“ in der Altenkirchener Konzertkirche. Foto: Kreisverwaltung / Marc Schaeferdiek

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