KREIS ALTENKIRCHEN – Schule trifft Wirtschaft – Wie können Schüler beim Übergang ins Berufsleben noch besser begleitet werden?
KREIS ALTENKIRCHEN – Schule trifft Wirtschaft – Wie können Schüler beim Übergang ins Berufsleben noch besser begleitet werden?
Kreis Altenkirchen. Es ist eigentlich ein Schulterschluss, wie er enger nicht sein könnte: Seit etlichen Jahren sind die weiterführenden Schulen im Kreis gemeinsam mit den Unternehmen und der Kreisverwaltung (Wirtschaftsförderung) mit zahlreichen Initiativen und Veranstaltungen unterwegs, um Jugendliche beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt zu begleiten. Die Zusammenarbeit soll nun noch einmal optimiert und intensiviert werden – das ist das Ergebnis eines Treffens verschiedener Akteure in den Räumlichkeiten der Fa. Werit in Altenkirchen. Konkret geht es um genauere Abstimmung bei Praktika, um Besuche von Unternehmen in den Schulen und um eine Umfrage unter den Schülern selbst.
Zum Hintergrund: Erst im Frühsommer war seitens der Wirtschaftsförderung das „Zukunftsnetzwerk“ ins Leben gerufen worden, um einen Austausch mit der Politik auf verschiedenen Ebenen zu ermöglichen. Vonseiten der Wirtschaft war allerdings der Wunsch geäußert worden, direkt mit den Schulleitungen zu sprechen. Nun wurde bei dieser Veranstaltung unter Vorsitz des 1. Kreisbeigeordneten Tobias Gerhardus allerdings nicht nur das Positive der gemeinsamen Anstrengungen thematisiert. Die Schilderungen der Pädagogen ließen keinen Zweifel daran, dass es immer schwieriger wird, alle Schüler – einschließlich deren Eltern – auf dem Weg ins Arbeitsleben mitzunehmen.
Zu Beginn hatte Yvonne Löcherbach, Personalleiterin bei Werit, aus Sicht des heimischen Mittelständlers erläutert, woran es bei einem verlässlichen Übergang oft hakt: Die Berufsorientierung bleibe zu abstrakt (zu wenig eigene Erfahrungen), die Kompetenzen reichten nicht immer aus (Mathe/Deutsch/Konzentrationsvermögen), und auch die Mobilität sei ein Problem (lange Fahrten zu Berufsschulen).
Sehr schnell wurde in der Diskussionsrunde aber deutlich, dass Schülerinnen und Schülern im Kreis eine Vielzahl an Möglichkeiten haben, die Betriebe kennenzulernen –übereinstimmend wurde der wertvolle Nutzen von Praktika betont. Hier soll es künftig eine bessere Verzahnung bzw. Abstimmung geben, soll heißen: Die Schulen teilen mit, in welchen Zeiträumen die Praktika stattfinden, die Unternehmen ihrerseits informieren über Verfügbarkeiten und Kapazitäten. Kreis-Wirtschaftsförderer Lars Kober wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass man auch mit dem Instrument der Ferienjobs sehr gute Erfahrungen gesammelt habe. Nunmehr sollen aber auch die Jugendlichen selbst per Umfrage mitteilen, welche Angebote oder Formate zusätzlich wünschenswert wären.
Wie oben erwähnt: Zum Klartext gehörte an diesem Tag aber auch, „dass die Zielgruppe, die nicht vermittelbar ist, immer größer wird“, wie es ein Schulleiter ausdrückte. Berichtet wurde von massiven Defiziten bereits in Klasse 5, von einer wachsenden Zahl an Jugendlichen, die eine individuelle Anleitung und Unterstützung benötigten – und von einem gegen Null tendierenden Interesse der Erziehungsberechtigten an Elternabenden. Hinzu kommt, dass viele Eltern ihre Kinder nach wie vor unbedingt auf ein Gymnasium schicken, obwohl diese an einer Realschule plus wesentlich besser gefördert werde könnte. Dabei herrschte Einigkeit darin, dass die Durchlässigkeit zwischen den Schulsystemen sehr gut ist. Eine Teilnehmerin berichtete beispielhaft vom Werdegang ihres Sohnes: von der Realschule plus über das Berufliche Gymnasium bis zum Medizinstudium.
Kreisbeigeordneter Tobias Gerhardus zog ein positives Fazit dieses Austauschs: „Wir werden vor Ort sicher nicht jede gesamtgesellschaftliche Entwicklung beeinflussen können, aber einige kleinere Stellschrauben lassen sich mit unseren Möglichkeiten immer nachjustieren. Daher ist es wichtig, dass Schulen, Unternehmen und wir als Kreisverwaltung in einem dauerhaften Dialog bleiben und nicht am Status quo festhalten.“
Foto: Beim treffen von Schulleitungen und Unternehmensvertretern in den Räumen von Werit in Altenkirchen ging es um eine Intensivierung der Zusammenarbeit und die Frage, wie Schülerinnen und Schüler noch besser beim Übergang ins Berufsleben begleitet werden können. Foto: Kreisverwaltung / Thorsten Stahl

















