BERLIN – Leserbrief von Siegried Kowallek als Zwischenruf zu den Angriffen auf den Berliner Wahlsieger
BERLIN – Leserbrief von Siegried Kowallek als Zwischenruf zu den Angriffen auf den Berliner Wahlsieger
Es ist sicherlich richtig und auch sinnvoll, dass die Berliner Wahlsiegerin Elif Eralp nach Innen, in ihre Partei Die Linke hinein, wirken muss und die Antisemitismus-Vorwürfe glaubhaft entkräften muss. Es ist aber auch davon auszugehen, dass es ihr als Regierungschefin besser gelingen würde als etwa der CDU Sachsen-Anhalt vor sechs Jahren, den Eindruck eines amtlichen Antisemitismus zu verhindern. Bei einem Auftritt in Dessau fand es nämlich der damalige CDU-Innenminister Holger Stahlknecht problematisch, dass die Polizei durch den Schutz jüdischer Einrichtungen gehindert werde, bei anderen Einsätzen rechtzeitig einzutreffen. Das war Antisemitismus von Amts wegen. Deutliche Worte des Entsetzens gab es damals weder von der sachsen-anhaltischen Koalition noch aus der CDU.
Angesichts der aktuellen übermächtigen Hetze gegen die Berliner Linke ist es im Grunde eine Selbstverständlichkeit, die Prognose zu wagen, dass eine rot-grün-rote Berliner Konstellation niemals eine vergleichbare „Narrenfreiheit“ haben kann, wie es bei der sachsen-anhaltischen CDU möglich war.
Apropos „Narrenfreiheit“: Bei einer Wahlkampfveranstaltung der Berliner CDU im Konrad-Adenauer-Haus sagte Bundeskanzler Friedrich Merz, Antisemitismus sei die perfideste Form der Ausländerfeindlichkeit. In einer überregionalen deutschen Tageszeitung hieß es dazu, es habe geklungen, als seien (deutsche) Jüdinnen und Juden Fremde in der Bundesrepublik. Unter Freudscher Fehlleistung versteht man unbeabsichtigte Handlungen und sprachliche Äußerungen, die auf einer unbewussten Ebene Sinn ergeben, wobei die eigentlichen Gedanken oder Absichten entlarvt werden.
Vorbehalte gegen Juden bis hin zum Antisemitismus gibt es in allen Parteien. Etwas Demut täte auch der CDU/CSU gut, wenn ihr oberster Repräsentant auf diese Weise zu Argwohn einlädt. Siegfried Kowallek, Neuwied

















