ALTENKIRCHEN-BAD NEUENAHR – Wie sieht es nach fünf Jahren Flutkatastrophe Ahrtal finanziell aus?
ALTENKIRCHEN-BAD NEUENAHR – Wie sieht es nach fünf Jahren Flutkatastrophe Ahrtal finanziell aus?
„Wie sieht es mit den versprochenen Entschädigungen nach fünf Jahren Flutkatastrophe im Ahrtal aus?“ Diese Frage stellte sich einer unserer Mitarbeiter, der damals rund 50-mal in Bad Neuenahr unterwegs war und dort den ehemaligen Personenschützer des Rennfahrers Michael Schumacher kennenlernte. Besonders brisant ist diese Frage, nachdem in diesen Tagen durch die Medien geht, wie schön der Aufbau geklappt habe, meist mit vielen ehrenamtlichen Arbeitskräften.
„Du hast aber ein schön sauberes Auto“, so Raimund Heinz, groß gewachsen und mit einem herrlichen Humor gesegnet. Er beschützte in der Vergangenheit den siebenfachen Weltmeister der Formel eins. „Kannst Du einen Bautrockner gebrauchen?“. So fing eine Freundschaft an. Unter Männern hält sie ein Leben lang.
Was war passiert? Raimund, der mit seiner Mutter zusammenlebt, hatte sein Haus an der tiefsten Stelle von Bad Neuenahr, ein vierstöckiges Haus. Die untere Etage war komplett weggeschwommen bis auf die Grundmauern, die bei einem Gebäude, das über 100 Jahre alt ist, mindestens 60 Zentimeter dick sind und wie Säulen den Rest des Gebäudes tragen. Im Garten musste ein kompletter Sattelschlepper mit Mutterboden anrücken, um die ausgespülte Erde wieder aufzufüllen. Keine Frage, dass er sich mit seiner Mutter Auszeiten in einem Sanatorium nimmt, um die traumatischen Erlebnisse zu bewältigen.
Raimund ist der Sohn eines Bauunternehmers und weiß sich zu helfen. Er nimmt bei der Bank auf die oberen drei Etagen ein Darlehen von 40.000 Euro auf. In fleißiger Arbeit von jeweils rund 10 Handwerkern pro Schicht entsteht eine wunderbare erste Etage. Vor drei Jahren hieß es, er habe 20.000 Euro bekommen. Der Rest ist bis heute nicht ausgezahlt. Warum? Der Papierkram sei so extrem kompliziert, erklärt der fleißige Familienvater. Aber der wahre Grund für das nicht Auszahlen des Geldes ist ein anderer. Banken halten das Geld fest und machen es ihren Kunden schwer, wie wir in einer Recherche erfuhren.
Die damalige Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, versprach der Mutter von Raimund in die Hand. „Machen Sie sich keine Sorgen, sie werden schnell entschädigt“, so ihre Worte. Aber der Worte folgten keine Taten. Nur die Regierung könne diesen Bürokratismus ändern, so ein Beobachter der Szene. Dass Banken so mit dem Geld anderer Menschen umgehen, gehe gar nicht. Der Frust der Bevölkerung sitzt sehr tief. Vielleicht könne ein Besuch von Alice Weigel im Ahrtal etwas ändern, hofft ein weiterer Beobachter der Szene, der damals mitgeholfen hat, Keller mit Eimern zu entleeren und der sich nicht zu schade war, seine Hände für andere Menschen unentgeltlich dreckig zu machen.
Er besondere Erfahrung, die dieser Mann machen musste, war in dem Haus einer Gastronomin, die elementarversichert ist. 40 Zentimeter der übelsten Schlammbrühe waren in ihrem Keller. Als ein Helfer mit zwei vollen Eimern aus dem Haus wollte, stand ein Versicherungsvertreter in der Haustür mit weißen Schuhen. Das hier sei nicht sein Problem, meinte er als der Helfer ihn aufforderte Platz zu machen. Man bedenke, es waren 33 Grad im Schatten und der Schweiß der Helfer floss in Strömen. Als der Helfer dies einem anderen helfenden Kumpel schilderte, meinte dieser: „Du hättest ihm die beiden Eimer über die Schuhe kippen sollen und sagen, das ist nicht mein Problem“.
Was die Solidarität der Menschen betrifft, da macht jeder im Leben seine Erfahrungen. Aber im Ahrtal hat sich gezeigt, dass Not zusammenschweißt und auf einmal andere Dinge unwichtig werden. Bleibt zu hoffen, dass die Regierung endlich etwas unternimmt, damit die Banken die Gelder auszahlen, an die Menschen, die es dringend notwendig haben. Darüber hinaus sollten die Darlehen zinsfrei bleiben, denn die letzten, die an dieser Katastrophe verdienen sollten, sollten die Banken sein.
Offizielle Zahlen über rückständige Zahlungen liegen nicht vor, was genug über den Behördensumpf aussagt. Verzögerungen betreffen jedoch ausstehende Bewilligungen der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz in der Holzhofstraße vier in Mainz. Hinzu kommen bürokratische Hürden bei der Auszahlung privater Spenden. Rund ein Fünftel der über 600 Millionen Euro privater Spenden hängt wegen „strenger Förderrichtlinien“ fest. Das sind sage und schreibe 120 Millionen Euro! Tatsächlich ein Skandal nach über fünf Jahren, den es aufzudecken gelte, so der Originalton mehrerer unser Leser. Verantwortliche, die diese Auszahlungen blockieren, jonglieren möglicherweise mit diesen Geldern. „Es wäre nicht das erste Mal, dass solche Missstände aufgedeckt würden“, erklärte einer unserer Leser, der Erfahrung auf Amtsgerichten hat. Was maßen sich Menschen an, die so mit Geldern ehrlicher Bürger umgehen? Eine mit Sicherheit berechtigte Frage. (Werner Klak) Foto: Archiv BK





















