ALTENKIRCHEN – Die Chorratswahl der Kantorei besticht mit starker Frauenquote

ALTENKIRCHEN – Die Chorratswahl der Kantorei besticht mit starker Frauenquote

Die Kantorei an der evangelischen Christuskirche Altenkirchen hat einen neuen Chorrat gewählt. Die etwa 40 Sängerinnen und Sänger, die aus dem gesamten unteren Westerwald stammen, werden von dem sechsköpfigen Chorrat nach innen und außen repräsentiert. Ihm gehören fünf Sängerinnen und ein Sänger an.

Die Mitglieder des letzten – geschlechterparitätischen – Chorrates waren im Vormonat mit Dank verabschiedet worden, unter ihnen die langjährigen Sänger Ernst Walter Thomas (Beisitzer) und Werner-Christian Jung (Sprecher). Zugleich wurden die Neuen per Akklamation für zunächst drei Jahre gewählt. Dass hier neue und erfahrene Gesichter zusammenkommen, ist in der Kantorei bewährte Praxis. Der Chorrat versteht sich als ein Gegenüber zur jeweiligen Chorleitung, zur „Heimatgemeinde“ an der Christuskirche und zu den Kirchengemeinden des evangelischen Kirchenkreises, aber auch zur Öffentlichkeit und fördert den sozialen Zusammenhalt, z.B. durch gemeinschaftliche Unternehmungen, wie den geplanten Synagogenbesuch in Köln. Vor allem die Begeisterung für vorrangig geistliches Liedgut, aber auch die Gemeinschaftserfahrungen und die persönlichen Begegnungen verbinden sowohl die Mitglieder als auch die Projektsänger und -sängerinnen. Denn mehr als 40 Laienstimmen – unter ihnen etwa 60 % Frauen – lassen sich schon seit Jahren von der versierten Kreiskantorin Hyejoung Choi gerne zu Höchstleistungen anregen, zuletzt in der Passionszeit 2026 mit der Aufführung der Bach’schen Johannespassion.

Nun werden neue Pläne geschmiedet und ins Werk gesetzt. Dazu gehören zwei geistliche Herbstkonzerte im Kirchenkreis Altenkirchen, auf die sich die Kantorei mit ihrer koreanischen Musikerin vorbereitet. Dabei stehen Werke von Felix Medelssohn-Bartholdy (Hör mein Bitten), von Gounod (Messe brève) und die Deutsche Messe von Franz Schubert auf dem Probenplan, für den der Chorrat gerne noch weitere Projektstimmen willkommen heißen würde.

Die Pläne für 2027 liegen noch im Dunkeln, werden aber von Chorrat und Kantorin voraussichtlich vor Jahresende preisgegeben. Dass die Kantorei an der Christuskirche nun auf eine 191-jährige Geschichte zurückblickt, zeigt auch, dass viele vorangegangene Generationen in diesem geistlichen Ensemble „die heilsame Wirkung des Singens für sich selbst erlebt haben – im eigenen Körper als Kraftreserve, als Immunstimulation, als Endorphinproduktion.“, so der scheidende Sprecher, Werner-Christian Jung, bei der Neukonstitution des Gremiums am 19. Mai. Damit wirke die eigene Stimme als Selbstheilungsmittel. Und das gemeinschaftliche Singen erführen viele als Mittel gegen die heute grassierende Vereinsamung. Denn die Chorproben hielten besondere Begegnungsmomente bereit und ließen die Beteiligten erspüren, „dass da Menschen sind, die sich darauf freuen, dass auch ich komme. So erleben wir die Kantorei als einen Ort, der die Menschen mit Tönen umfängt und damit Verstimmungen verwandeln kann. Und Frauen wird Singen als Selbstäußerung traditionell eher zugeschrieben als Männern.“, resümiert Jung. In der Kantorei werde Singen aber von Männern und Frauen gleichermaßen als spiritueller Ankergrund für die Seele erfahren.

Der neue Chorrat der Kantorei an der Christuskirche Altenkirchen will die seit 1835 währende Geschichte dieser Gesangsformation kreativ fortschreiben: Inmitten ihrer Chorleiterin, Hyejoung Choi (Bildmitte) gehören ihm an (v.l.n.r.): Christine Fuhrmann, Ulrike Termath, Ute Klevesahl, sowie Manfred Pees und die beiden Neugewählten: Ina Löhr und Dr. Dörte Döring-Dieck (Foto: Werner-Christian Jung)

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