KREISGEBIET – Betrugsfälle mit Schenkungen oder Erben
KREISGEBIET – Betrugsfälle mit Schenkungen oder Erben
Kürzlich sind mehrere Betrugsfälle mit teils intensiver krimineller Energie mit Betroffenen im Raum Altenkirchen bekannt geworden. Zum einen handelt es sich um angebliche Schenkungen, in anderen Fällen um einen vermeintlichen Erbanteil oder sogar Investitionen, die hohe Gewinne versprechen. Alle Fälle haben ähnliche Charakterzüge, manchmal sind ein „Anwalt“ involviert oder Personen beteiligt, die „Geld verteilen wollen“. Fast nie kommt es zu persönlichen Begegnungen.
Wie machen solche Täter auf sich aufmerksam? Die Anschreiben erfolgen über Portale, wie Facebook oder Telegramm. Zunächst wird eine Story erzählt, man sei zum Beispiel unheilbar an Krebs erkrankt, habe keine Verwandten und freue sich, jemanden gefunden zu haben, der mit diesem Geld sich ein schönes Leben machen oder sogar Schulden tilgen könne. In dem Fall der Schenkung stammt eine betreffende Person aus Westfalen, hat dort angeblich ein Haus, halte sich aber zur Behandlung in einer Klinik in Frankreich auf. Angeblich habe der Arzt die Verfügung über das Geld. Es komme angeblich zu einer Verifizierung, für Dokumente und so weiter. So werden nach und nach Gebühren verlangt. „Betrüger sind schlau“, so einer der Betroffenen. Eines haben sie in der Regel gemeinsam, sie haben selbst Geldnot oder brauchen es um Süchte zu befriedigen, sind möglicherweise auch spielsüchtig. Die illegale Einnahme von Wirkstoffen oder der Missbrauch von Medikamenten spiele eine zusätzliche Rolle, so die Erfahrung eines Experten.
Auch vor der Pandemie habe es Betrugsfälle gegeben, so ein anderer Betroffener, aber die Statistik sagt, dass Betrügereien nach der Pandemie signifikant gestiegen sind und der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) zu einer neuen, gefährlichen Welle von Betrugsfällen geführt hat. Jeder Vierte, genau 26 Prozent der Bevölkerung, hat bereits einen Online-Betrug hinter sich. Nach der Einführung von KI sind die Betrugsfälle im Zahlungsverkehr sogar um 52 Prozent gestiegen. Das Misstrauen unter den Menschen, so ein anderer Betroffener, sei sogar so groß geworden, dass nicht einmal im Familien- oder Freudenskreis Geld verliehen werde.
Betrüger sind schlau, und sie wissen, dass Anwälte oftmals erst bei Vorauskasse tätig werden, bei Gerichten ist es ähnlich. Somit verlangen die Betrüger zunächst Geld, damit gewisse Schritte unternommen werden, verschicken Dokumente per PDF. Nur Experten können unterscheiden, was hier gegenüber echten Papieren falsch läuft. Schließlich sind weitere „Gebühren“ notwendig. Der Schriftverkehr mit den „Anwälten“ läuft über WhatsApp oder per E-Mail, nicht selten sogar telefonisch. Im normalen Leben ist diese Form der Kommunikation eher selten, es sei denn, man kenne sich persönlich, so der allgemeine Tenor. Und das ist etwas, was die Betrüger grundsätzlich vermeiden. Ein persönliches Kennenlernen riskieren sie nicht. Sie schicken sogar die Vorderseite ihres Personalausweises, aber niemals die Rückseite mit Adresse.
Im Fall eines anderen Betruges spielte sogar „Liebe“ eine Rolle. Ein Betroffener reiste zu einer angeblichen Adresse im früheren Lothringen, wurde auf der Anreise angeschrieben, weitere 50 Euro zu zahlen, damit die Dame sich ein Kleid kaufen könne, weil sie sich schmutzig fühle. Das Geld wurde nicht überwiesen, an der angegebenen Adresse war diese Dame auch nicht bekannt, aber ihre Fotos sind immer noch in den Netzwerken präsent. Fakt ist, dass sie sich mit ihrer Gaunerei in Zusammenhang mit ihrem „Anwalt“ 10.000 Euro erschlichen hat plus 2.000 Euro für Lebensmitteleinkäufe innerhalb eines Zeitraums von über einem Jahr. Die Hälfte, 5.000 Euro, hat ihr der „Anwalt“ ausgezahlt, womit sie eine Kosmetikfirma eröffnen konnte und in diesem Februar einen Messestand bezahlte. Sie sei nun glücklich, behauptete sie gegenüber dem Zahler. Aber die Story, dass der Vater 1,4 Millionen Euro Erbe hinterlassen habe, wovon das Opfer 350.000 Euro bekommen sollte, war schon ziemlich raffiniert. Die Dame erhält 850 Euro monatliche staatliche Unterstützung, nachdem sie vor eineinhalb Jahren ihre Arbeitsstelle als Kosmetikerin gekündigt hatte wegen Differenzen mit der Chefin. Es klingt ein wenig nach einem Hitchcock Roman, ist aber nachweislich so passiert.
Betroffene werden gebeten, ähnliche Fälle den örtlichen Polizeibehörden zu melden oder bei der Kriminalpolizei vorstellig zu werden. Die Betroffenen werden aller Wahrscheinlichkeit nach zwar wenig Aussicht auf Rückzahlung der Gelder haben, aber somit haben die Behörden zumindest die Chance, der Sache nachzugehen. Ein Betroffener meinte sogar: „Ich habe wenigstens etwas Gutes getan und jemandem, wenn auch anonym, geholfen. (Werner Klak)
Foto: In Betrugsfällen geht es meist nur um das eine: Geld. Manchmal wird auch Liebe vorgegaukelt, um Ahnungslose zahlungswilliger zu machen. Foto: Werner Klak


















