Gemeinsam gegen den Leerstand in den Dörfern

- 001 BK 13.05.06 - 9999 NR - Leerstandslosten mit ZertifikatNEUWIED – Gemeinsam gegen den Leerstand in den Dörfern – Startschuss für ehrenamtliche Leerstandslotsen im Kreis – Sechs Ortsgemeinden im Landkreis Neuwied machen mit – Die ersten sechs Ortsgemeinden erhielten kürzlich das Zertifikat zum Leerstandslotsen. Robert Freisberg, Vorstand der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, und der 1.Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach, überreichten den ersten Leerstandslotsen im Kreis Neuwied ihre Zertifikate zur Teilnahme an der Seminarreihe. Dieses landesweit bedeutungsvolle Projekt soll helfen, gegen drohenden Gebäudeleerstand Maßnahmen zu treffen. Jetzt erfolgte die offizielle Vorstellung der Lotsen, die in ihren Ortsgemeinden aktiv werden. Sechs Gemeinden des Kreises stellen künftig ihren Bürgern einen Leerstandslotsen zur Seite. „Jeder von uns ist gefragt, wenn es darum geht, in Zeiten des demografischen Wandels lebendige und attraktive Ortskerne zu erhalten. Hierbei müssen auch neue Wege gegangen werden, bei denen jeder Einzelne ein Stück Verantwortung trägt“, so der Vorstand der Entwicklungsagentur, Robert Freisberg. Die Idee des „Leerstandslotsen“ entstand im Rahmen des Modellprojektes Ländliche Perspektiven der Entwicklungsagentur im Landkreis Neuwied. In Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung Neuwied, Vertretern der Verbandsgemeindeverwaltungen und Ortsgemeinden sowie engagierten Bürgern wurde das innovative Konzept entwickelt, das erstmals ehrenamtliches Engagement bei der Leerstandsbewältigung vor Ort aktiv einbindet. „Viele Häuser entsprechen heute nicht mehr unseren veränderten Wohnbedürfnissen. Angesichts einer rückläufigen Bevölkerungszahl wird es immer schwieriger, neue Nutzer für ältere Häuser zu finden. Hierdurch entsteht die Gefahr zunehmenden Leerstands, insbesondere im Ortskern!“ erklärt der 1.Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach bei der offiziellen Vorstellung der Leerstandslotsen. Umso wichtiger sei daher, vor Ort einen direkten Ansprechpartner für betroffene Immobilieneigentümer zu haben. Den Leerstandslotsen. Er hilft ihnen dabei, die richtigen Schritte zur Wertsicherung ihrer Immobilie bzw. der Wiedernutzung von Leerständen zu unternehmen. „Er baut Vertrauen zu den Immobilieneigentümern auf und versucht, beim Eigentümer die Bereitschaft zu aktivieren, Maßnahmen zur Nach- oder Weiternutzung von Gebäuden und Brachflächen zu übernehmen“, unterstreicht Hallerbach. Bei fachlichen Fragen kann er an Ansprechpartner vor Ort vermitteln, wie Architekten, Energieberater, Makler und auf das Fachwissen der Entwicklungsagentur zurückgreifen. 2012 erfolgte ein kreisweiter Aufruf an die Ortsgemeindebürgermeister, sich oder interessierte Bürger als ehrenamtliche Leerstandslotsen ausbilden zu lassen. „Im Rahmen eines zweitägigen Pilotlehrgangs wurden diese geschult, künftig ihre Mitbürger über das Thema Leerstände aufzuklären, Betroffene gezielt anzusprechen und zum Handeln zu motivieren,“ erklärt Achim Hallerbach. Gemeinsam mit der Entwicklungsagentur wurden nun personalisierte Flyer für jede beteiligte Ortsgemeinde erstellt. „Jeder von uns kann dazu beitragen, unser Lebensumfeld zu verbessern. Daher war für mich sofort klar, an dem Projekt mitzuwirken“, so Heidelore Momm, Ortsbürgermeisterin und angehende Leerstandslotsin der Gemeinde Anhausen. Bei folgenden Fragen kann man künftig in den Gemeinden Anhausen, Isenburg, Oberraden, Rüscheid, St. Katharinen und Straßenhaus den Lotsen kontaktieren: Was muss ich tun, um eine Nutzung für meine leer stehende Immobilie zu finden? Welche vorsorglichen Maßnahmen kann ich ergreifen, damit meine Immobilie attraktiv bleibt? Welche Experten gibt es und wie kann ich zu diesen Kontakt aufnehmen? Der Leerstandslotse ist kein Baufachmann und wird im Rahmen seiner Tätigkeit auch keine fachliche Beratung durchführen. Er kann jedoch Lösungswege aufzeigen und an die passenden Experten weitervermitteln. Auf diese Aufgabe wurde der Lotse im Rahmen eines Lehrgangs der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz vorbereitet. Der Leerstandslotse ist im Auftrag seiner Gemeinde ehrenamtlich tätig. Er verfolgt dabei keine Eigeninteressen und behandelt die gesammelten Informa-tionen stets vertraulich. Im Rahmen seiner Arbeit sucht der Leerstandslotse das persönliche Gespräch mit Hauseigentümern. Kommunen und private Eigentümer sehen sich mit einer wachsenden Leerstandsproblematik konfrontiert. Nach aktuellen Schätzungen  kann von rund 80.000 leer stehenden Eigenheimen in Rheinland-Pfalz ausgegangen werden. Auch der Landkreis Neuwied ist von dieser Entwicklung betroffen.

Foto: Die ersten sechs Ortsgemeinden erhielten kürzlich das Zertifikat zum Leerstandslotsen. Robert Freisberg, Vorstand der Entwicklungsagentur Rhein-land-Pfalz, und der 1.Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach, überreichten den ersten Leerstandslotsen im Kreis Neuwied ihre Zertifikate zur Teilnahme an der Seminarreihe. In folgenden Ortsgemeinden nehmen die Losten nun ihre ehrenamtliche Arbeit auf: Ortsgemeinde Anhausen: Heidelore Momm (Ortsbürgermeisterin); Ortsgemeinde Isenburg: Dorothee Sudhoff-Mohr; Ortsgemeinde Oberraden: Achim Braasch; Ortsgemeinde Rüscheid: Gabriele Goldenstein und Christian Krauss; Ortsgemeinde St. Katharinen: Günter Prangenberg und Hans-Josef Weißenfels; Ortsgemeinde Straßenhaus: Fr. Birgit Haas (Ortsbürgermeisterin).

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