MAINZ – Energiegipfel; Mut zur Balance und Neuausrichtung einer marktwirtschaftlichen Energiewende

MAINZ – Energiegipfel; Mut zur Balance und Neuausrichtung einer marktwirtschaftlichen Energiewende – MdL Wäschenbach sieht mit Sorge auf den Energiegipfel in Berlin. Deshalb hat der heimische Abgeordnete Michael Wäschenbach, energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, einen Brief an den Bundesminister Peter Altmaier gerichtet. Der Abgeordnete weist auf Risiken und notwendige Entwicklungen hin: Denn vor dem Hintergrund der internationalen Klimaschutz-Verpflichtungen hat sich Deutschland bereit erklärt, die jahrzehntelang bewährte Kraftwerkstechnik Zug um Zug abzubauen und zukünftig die elektrische Energie überwiegend aus regenerativen Energien bereit zu stellen.

Für diese Energiewende werden hierzulande kurz- und mittelfristig in der Hauptsache nur Solarenergie und Windenergie als weiter ausbaufähige Technologien angesehen. Diese beiden Techniken sind aber volatil und somit – ohne entsprechende großtechnische Speicherkapazitäten – immer auf zusätzliche, planbare Komplementärtechnologien angewiesen. Bisher leisteten wir uns daher zwei parallele Kraftwerkssysteme nebeneinander, nämlich die der „Erneuerbaren“ und zu deren Absicherung die jetzt abzuschaffenden „Konventionellen“.

Wenn man den aktuellen Zahlen glauben darf, liegt zur Zeit die Nennleistung der bundesdeutschen Windparks bei ca. 60.000 MW, die der Solarparks bei ca. 48.000 MW, also insgesamt bei 108.000 MW. Die Nennleistung ist die theoretische Leistung, die eine Anlage bei Dauerwind erbringen könnte.

Für die Stabilität des Stromnetzes wird hierzulande zum Zeitpunkt der tatsächlichen Jahreshöchstlast, die meist spätnachmittags an einem Tag im Zeitraum von November bis Februar auftreten kann und vorab unbekannt ist, eine Kraftwerkskapazität von etwa 77.000 bis 82.000 MW benötigt. Demzufolge liegt die Gesamt-Nennleistung der „Erneuerbaren“ bereits wesentlich höher als die bisher benötigte Kraftwerkskapazität. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die vorhandene Nennleitung heute schon wesentlich mehr Kapazitäten bietet, als zur Bereitstellung von Strom aus den sog. „Erneuerbaren“ benötigt würden.

Trotz des fortgesetzten deutschlandweiten Windparkzubaus und entgegen der intuitiven Vermutung, dass eine weiträumige Verteilung von Standorten zur Windenergienutzung zum Ausgleich oder zu einer Glättung der elektrischen Summenleistung aller Windenergieanlagen führen sollte, ist seit dem Jahr 2010 bis heute kein Anstieg der jährlichen Minimalwerte (viertelstündlich bis stündlich erfasste Leistungseinspeisedaten) zu erkennen. Im Juli 2019 betrug z.B. die minimale Einspeise-Leistung der Windparks 398 MW. Damit liegt die permanent verfügbare, gesicherte elektrische Leistung der deutschen Windparks heute immer noch deutlich unter einem Prozent der installierten Nennleistung. Diese Aussagen gelten auch für die Offshore-Windenergie.

Zudem haben begleitende Auswertungen zur Häufigkeit von Schwachwindphasen im Zeitraum von 2010 bis 2016 ergeben, dass in diesem Zeitraum insgesamt rund 160 Fünftagesphasen mit Leistungen des Windparks von weniger als etwa 5.000 MW auftraten und es in jedem Jahr bis heute zusammenhängende zehn-bis 14-tägige Schwachwindphasen gab.

Wir sind uns einig darüber, dass für unser Deutschland eine sichere Versorgung mit Strom (über)lebenswichtig ist. Die bekannten Fakten machen doch eigentlich deutlich, dass eine ausreichende, grundlastfähige Strom-Bereitstellung  allein mit „Erneuerbarer Energien“ und mit den heute vorhandenen oder in Zukunft absehbaren großtechnischen Möglichkeiten – ohne den Einsatz unserer fossilen Kraftwerke oder anderer Kraftwerkskapazitäten – nicht funktionieren wird!

„Ein weiterer Zubau von Windrädern ist ohne großtechnischen Speicherlösungen nicht opportun“, so Wäschenbach. Auch aus Gründen des Klimaschutzes und auch des Naturschutzes sollten zudem gerade unsere wertvollen Wälder geschützt und damit frei gehalten werden von Windenergieanlagen (s. Pressemitteilung LNU, NI und NABU Euskirchen):  „Keine Windenergieanlagen in Waldbereichen und auf Flächen, die durch Borkenkäfer und die starke Dürre der Jahre 2018 und 2019 beschädigt wurden!“

Deutschland kann sich nicht darauf verlassen, dass es vom europäischen Ausland mit Strom unterstützt wird. In dem Fall sollten sogar moralische Gründe dafür Sorge tragen, dass wir nicht von Strom aus Kernkraftwerken oder fossilen Kraftwerken im Ausland versorgt werden, da diese – bei uns bisher technisch sicheren Werke – aus den bekannten politischen (ideologischen) Gründen in Deutschland abgeschaltet werden mussten bzw. werden müssen.

Außerdem stellte der Branchenverband BDEW selbst kürzlich die Verfügbarkeit ausländischer Kraftwerke für die Stromversorgung Deutschlands in Frage und meldete, alle Nachbarländer stünden wie Deutschland selbst vor der Herausforderung, ihre Versorgungssicherheit bei steigenden Anteilen intermittierender regenerativer Kraftwerksleistung zu gewährleisten. Daher werde sich Deutschland in Knappheitssituationen künftig nur bedingt auf Lieferungen aus dem Ausland verlassen können (jedes Land hilft sich selbst zuerst, begrenzte Vernetzung des europäischen Netzes, Netzverluste usw.).

Aus all den oben angeführten Gründen hat Wäschenbach somit die dringende Bitte an Minister Peter Altmaier, einen weiteren Zubau mit Windkraftanlagen auf unserem Land nur dann zuzulassen, wenn die betroffenen Menschen es wollen und die Betreiber den Strom nachweislich speichern oder umwandeln können. Dies vorausgesetzt, wäre Offshore der Vorrang einzuräumen.

Dem Abgeordneten ist bewusst, dass Minister Altmaier diese Zahlen alle kennt, da Wäschenbach bereits mit StS Bareiß im Bundesumweltministerium dazu in einer kleinen Fachrunde sprechen konnte. Wäschenbach bittet das Ministerium dafür zu sorgen, dass für die Zukunft eine technologieoffene, gesicherte und für alle Menschen bezahlbare Stromversorgung bestehen bleibt bzw. wiederhergestellt wird. Es ist für Wäschenbach als Energiepolitiker nach wie vor sehr schwer, die auseinanderlaufenden Meinungen der Lobbyisten auf der einen und auf der anderen Seite mit kühlem Kopf und nicht im Interressenproporz sondern mit Sachlichkeit ideologiefrei zu bewerten.

Wäschenbach hofft, dass es keinen politischen ideologisch getragenen Kompromiss gibt, sondern ein wirtschaftliches, zukunftsorientiertes und technisch sinnvolles Ergebnis erzielt wird, um die Energiewende voran zu bringen. Auch Europa ist in dieser Frage sehr wichtig.

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